2. Phase: 1374 – 1. Preis

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Köln

Verfasser:in: Stephan Lenzen

Mitarbeiter:in: Sabelo Jeebe, Jiachen Li, Mohamed Amer, Sven Istel, Theresa Herrmann

Sonderfachleute: Visualisierung: Matthias Grobe

Gesamtansicht (Link)

Audiobeschreibung

 

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit überzeugt auf den ersten Blick mit einer prägnanten Figur, die auf einem zentralen Band die denkmalgeschützten Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forums verbindet und in einem sehr opulenten Freitreppenbereich endet. Durch den Abschluss spreeseits in einer Gabelung wird die Achsialität aber wohltuend gebrochen. Die Gabelung leitet gegenüber dem Humboldtforum sinnfällig zu den beiden Brücken mit sehr wichtigen Anknüpfungspunkten an übergeordnete Wegeverbindungen über.

Die starke Figur wird durch das Anordnen von zwei Flanierbändern begleitet, die wie eine Spange den gesamten Bereich verbinden und selbstverständlich erschließen. Die Freitreppenanlage bildet sichelförmig zwei Seiten aus, die durch attraktive Ausblicke und unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten überzeugt: Der Treppenanlage auf der einen Seite, mit einer integrierten barrierefreien Rampe und Sitztribünen, wird eine grüne und langgestreckte Böschung mit eingestreuten Sitzstufen gegenübergestellt, die einen besonderen Blickbezug zum Dom und Lustgarten herstellt. Die untenliegende Spreepromenade weitet sich zu einem attraktiven Ort rund um ein Fontänenfeld/Wasserspiegel auf.

Seitlich der zentralen Rasenfigur werden von Bäumen geprägte Nutzungsbereiche in einem „Stadthain“ angeordnet, die den vorhandenen Bestand selbstverständlich integrieren und durch neue Nutzungsangebote ergänzen. Im Rathausforum werden die denkmalgeschützten Elemente im Wesentlichen übernommen, die erhöhten Rosenbeete bieten durch die Einfassung zusätzliche Sitzmöglichkeiten, die materielle Überformung wird von Seiten der Denkmalpflege jedoch kritisch gesehen.

Die Erschließung des Stadthains gelingt durch vielfältige Wegeverbindungen, die durch Aufweitungen kleine Platzsituationen mit Aufenthaltsqualitäten erzeugen. Der Stadthain wird dadurch gut in den umliegenden Stadtraum eingebunden. Die Verbindungen bleiben trotz ihrer Anzahl aber unpräzise und lassen wichtige räumliche Beziehungen unbeachtet, auch die Menge wird kritisch diskutiert.

Die Nutzungsangebote sind insgesamt vielfältig und werden unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht.

Das Marx-Engels-Denkmal wird an den historischen Standort zurückgeführt, erscheint durch die weitgestreute Platzierung der Relieftafeln aber etwas verloren. Hier fehlt eine präzisere Verortung für den Denkmalbereich. Auch die fehlende Querbarkeit der großen Rasenfläche wird vor dem Hintergrund des zu erwartenden Nutzungsdrucks als nicht ausreichend bewertet. Die Anordnung einer Luchlandschaft – Retentionswiese mit Sitzstufen in Nähe der Spandauer Straße erscheint an dieser Stelle nicht passend und sollte überdacht werden.

Durch die Weiterführung der Rasenfläche bis auf das Rathausforum wird die Verbindung beider Bereiche zusätzlich gestärkt. Außerdem soll die Querung im Bereich der Spandauer Straße bereits 2027 barrierefrei als Shared Space ausgestaltet werden. Jedoch wird die konkrete Ausgestaltung der Querung in diesem Bereich noch nicht deutlich. Das Band wird gestalterisch nicht über die Straße gezogen, der verkehrliche Ansatz jedoch positiv bewertet.

Kritisch bewertet werden der relativ starke Eingriff durch Baumfällungen im Bereich der zentralen Freifläche, die Abgrabungen im Bereich der grünen Spreetreppe sowie der hohe Versiegelungsgrad. Eine Idee für die Sichtbarmachung historischer Zeitschichten ist vorhanden, ihre räumliche Konkretisierung ist wünschenswert.

Insgesamt überzeugt die Arbeit durch die Formulierung einer übergreifenden Idee, in der sich denkmalgeschützte Bereiche und neue Funktionen selbstverständlich einfügen ohne den großzügigen Gesamteindruck aufzulösen.

Erläuterungstext Teilnehmende

Konzept

Die Flächen des Rathaus- und Marx-Engels Forums befinden sich im historischen Zentrum Berlins und waren über die Epochen hinweg stets Schauort einer politisierten, ideologischen Gestaltung. So gibt es, neben der Heute prägenden, aus der DDR stammenden Freiraumgestaltung, zahlreiche sichtbare und verborgene historische Schichten die es zu integrieren gilt.

Der Entwurf verfolgt den Ansatz die Grundstruktur und Grundgedanken des die DDR-Moderne repräsentierenden Konzeptes aufzugreifen, zur erhalten und stärken und, wo angebracht, auf moderne Weise neu zu interpretieren um es auf die veränderten Nutzeransprüche abzustimmen.

Als wesentliches erhaltenswertes Prinzip wird dabei die klare Unterscheidung zwischen offenem, zentralem Band, der „Stadtbühne“ und kleinteiligen, geschützteren Nebenflächen als Rahmung oder dem „Stadthain“ begriffen. Als ebenfalls erhaltenswert wird die klare, geometrische Formensprache eingeschätzt.

Der Entwurf strebt das Zusammenwachsen von Rathausforum und Marx-Engels-Forum zu einem Ganzen an, zu einem Neuen Freiraumband das vom Alexanderplatz zur Spree führt. Aus der Achse wird also ein Band, das sich im Zentrum durch zwei Flanierwege umgesetzt, zu Beiden Endpunkten großzügig öffnet. Diese Öffnung inszeniert bereits im Bestand das Fernsehturm Ensemble und soll in Zukunft in gleicher Weise die Spree mit dahinterliegendem Humboldtforum und Dom erlebbar machen. Den Beiden Flanierwegen kommt dabei eine wichtige Rolle zu, verbinden sie doch nicht nur die Endpunkte des Bandes, sondern integrieren es auch in die Umgebung. Sie formen – nach Innen – jeweils eine Klammer um die offene zentrale „Stadtbühne“, während sie nach Außen ein Wegenetz ausstrecken das zum einen wichtige Zugänge aus der Umgebung schafft, zum anderen den dichten, baumbestandenen seitlichen Raum in unterschiedliche Zonen untergliedert. Dieses Grundgerüst wird von einem Nutzungs- und Grünverlauf begleitet, dass das Band vom Fernsehturm zur Spree mit einer abnehmenden Urbanität aber zunehmenden ökologischen und kontemplativen Qualitäten interpretiert.

Durch die Neugestaltung entsteht ein flexibles Grundgerüst das die historische Planung respektiert und integriert, den Ort aber gleichzeitig in eine moderne Nutzbarkeit überführt. Durch die sich ergebenden spannenden Raumfolgen in räumlicher aber auch historischer Sicht erschließen sich zahlreiche Spannungsbögen die den Ort zu einer vielschichtig erlebbaren Neuen Mitte Berlins machen.

Entwurf

Rathausforum

Der Bereich des Rathausforums wird von historischen Bezügen dominiert. Bauliche Solitäre verschiedenster Epochen wie die Marienkirche und das Rote Rathaus machen den Ort zu einer spannenden historischen Bühne. Das gegenwärtige gestalterische und räumliche Grundgerüst stammt jedoch aus DDR-Zeiten und dominiert den Ort städtebaulich wie auch freiraumplanerisch. Als ideologische Zentrale Achse Ost-Berlins besitzt dieser Ort Einmaligkeitswert und sollte als Ensemble erhalten werden. Bei den Umgestaltungen muss es sich daher um kleinere Eingriffe handeln die die Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit des Ortes verbessern ohne die zentralen Gestaltungsphilosophie in Frage zu stellen.

Zentrale Achse

Die „Stadtbühne“ als zentraler Bereich soll im Bestand erhalten werden und lediglich modernisiert sowie mit modernem Mobiliar ausgestattet werden.

Freizeithain

In den Nebenbereichen (Stadthain) entstehen dagegen Neue Angebote für Besucher. So wird die große Grünfläche an der Rathausstraße heute eher als Barriere mit Nutzungsdefiziten wahrgenommen – sie sollte geöffnet werden und als wichtiger Zugangs- und Verknüpfungsbereich zugänglicher werden. Die große Qualität dieses Raumes, der diverse und teilweise alte Baumbestand wird selbstverständlich erhalten und prägnantes Element des neu entstehenden „Freizeithaines“. Ausgetauscht werden die Grünflächen mit einem weitläufigen Kiesbelag, der hierdurch entstehende demokratische, nutzungsoffene Raum lädt zum Entspannen, spielen und treffen ein. Aktiviert wird er zusätzlich durch eingestreute fixe Spiel-, Sport- und Fitnessangebote auf eingestreuten EPDM-Inseln. Eine versetzbare Bestuhlung nach Vorbild des Künstlers Achim Kühn trägt zur Flexibilität und Atmosphäre des Ortes bei. Neben dem versickerungsfähigen Kiesbelag sorgen auch mehrere grüne Retentionsinseln für eine klimagerechte Gestaltung.

Forum der Demokratie

Nach Süden schließt sich vor dem Roten Rathaus ein offener Bereich an, das „Forum der Demokratie“. Mit seiner offenen Gestaltung bietet dieser Ort eine demokratische Plattform vor dem Berliner Zentrum der Macht, die gut für Demonstrationen, Kundgebungen aber auch Veranstaltungen nutzbar ist. Einige Bauminseln aber auch der anschließende Freizeithain bieten dabei beschattete Rückzugsmöglichkeiten. Mächtige Langbänke bieten im Alltag großzügige Ruhemöglichkeiten mit Blick auf die historische Verbindung Marienkirche-Rotes Rathaus und bilden einen einladenden Ort an der U-Bahn-Station. Der Platzbereich ist mit gesägtem Ortbeton ausgestattet, in dem Abdrücke den Ort als lebendigen Ort der Demokratie erlebbar machen.

Forumsgärten

Die vier weiteren Nebenflächen des Rathausforums werden als „Gärten“ interpretiert und sollen im urbanen Kontext grüne Rückzugsorte bieten. Das Umfeld der Marienkirche wurde bereits hochwertig umgestaltet und bietet mit dem Kirchgarten eine hochwertige Erholungsfläche. Das südlich angrenzende Lutherdenkmal wird in einem ruhigen „Luthergarten“ integriert, ebenso wie das Joseph-Mendelssohn Denkmal. Die dazwischenliegende Wegeverbindung lädt durch eine Aufweitung intuitiv von der Karl-Liebknecht-Straße zur Stadtbühne ein. Der gegenüberliegende Rathausgarten versteht sich als moderne, begehbare Grünskulptur mit Blick zum Forum der Demokratie und zur Stadtbühne.

Marx-Engels-Forum

Über die Spandauer Straße hinweg gelangt man zum Marx-Engels-Forum. Heute nur an den Ecken querbar soll in naher Zukunft durch temporäre Maßnahmen eine Querung am zentralen Band ermöglicht werden, in weiterer Zukunft eine Querschnittsreduzierung der Straße mit Vorrang für Fußgänger. Das Marx-Engels-Forum bleibt in seiner Heutigen Gestaltung weit hinter den Nutzungsansprüchen zurück und inszeniert sich überwiegend als Gedenkort um den Marx-Engels-Vierklang herum. Zu sehr erzeugt die Kreisform einen einseitigen Monolog um das Denkmal. Die Umgestaltung sieht zwar die Fortführung des offenen zentralen Bereichs als „Grüne Stadtbühne“ vor, möchte aber gleichzeitig eine Öffnung des Ortes für externe Einflüsse und damit einen gewissen Bruch mit der Barock anmutenden Achse. Entsprechend führen die Flanierbänder der Nördlichen Achse vom Rathausforum in das Marx-Engels-Forum hinein und bilden auch hier das räumliche Rückgrat. Statt einen Abschluss der Achse zu suchen öffnen sie sich jedoch zu den Ecken des Forums und schaffen so stattdessen zwei klare Eingänge. Analog zum Freiraumauftakt des Bandes am Fernsehturm öffnet eine weitere Klammer zudem den Raum zur Spree.

Grüne Stadtbühne

Der zentrale Bereich des Marx-Engels-Forums versteht sich als grüne, ökologische Fortsetzung der urbanen Stadtbühne des Rathausforums. Durch die asymmetrische Anordnung der Klammern öffnet sich der Bereich zu einer demokratischen, offenen Mitte zur gemeinsamen Nutzung durch eine pluralistische Gesellschaft. Gleichzeitig entsteht eine angemessene Rahmung des Marx-Engels-Ensemble, ohne dass sich das gesamte Forum auf dieses ausrichtet. Durch die Klammersetzung ergeben sich drei Haupteingangssituationen, die jeweils durch eine verbindende Terrasse erlebbar werden von denen sich jeweils einzigartige Blicke erschließen. Die Eingangsbereiche unterscheiden sich zudem durch eine Gestaltung unterschiedlicher regional typischer Ökosysteme. So lehnt sich der nördliche, zentrale Eingangsbereich des Bandes an eine Luchlandschaft bzw. Niederung an und dient so als wechselfeuchtes Habitat als Retentionsbereich für die anschließenden versiegelten Flächen. Dies setzt auch das Thema des Wasserbandes fort, das sich aus der Reihung von Wasserkaskaden, Neptunbrunnen und Spree ergibt. Die Öffnung zur Karl-Liebknecht-Brücke befasst sich dagegen mit dem Thema der Klimaangepassten Landschaften, speziell den trockenheitsverträglichen Heidelandschaften. Der gegenüberliegende Eingang zu Rathausbrücke und Nikolaiviertel wird dagegen mit typischen Staudenfluren und damit mit Insektenfreundlichen Pflanzen inszeniert. Zur gemeinsamen Mitte hin verlaufen diese Sonderbiotope in eine nutzungsoffene Stadtwiese. Von den Klammern bzw. Flanierwegen aus lässt sich der vielfältige Raum gut erleben, Bestandsbäume und Neupflanzungen überspringen teilweise die Raumkante und erzeugen somit erlebbare Raumnischen und eine spannungsreiche Substrukturierung. Auch hier laden mächtige Holzbänke zum Verweilen ein.

Randbereiche

Von den Flanierwegen lässt sich nicht nur die Grüne Stadtbühne erleben, sondern auch die strukturierten Randbereiche. Hier sind verschiedenste Funktionen für unterschiedlichste Nutzergruppen und Ansprüche vor einem grünen Hintergrund angeordnet. Neben ruhigen Rückzugsräumen, Picknickstationen und Gemeinschaftsgärten lädt im östlichen Randbereich ein dreiteiliger Mehrgenerationenspielplatz zum Spielen ein. Die sich zur Umgebung öffnenden, von der Hauptklammer abgehenden Seitenstrahlen binden die umgebenden Quartiere an und schaffen durch Platzartige Öffnungen weitere Aufenthaltsorte.

Spreeufer

Eine weitere Klammer bildet den Abschluss bzw. die Öffnung des Bandes zur Spree. Ein topografischer Geländeeinschnitt schafft den nötigen Raum um den Fluss angemessen in Szene zu setzen. Der Höhenunterschied wird dabei im Westen von einer urbanen Stufenanlage mit Holzsitzauflagen, im Osten durch eine langgestreckte grüne Böschung mit eingelassenen Sitzstufen inszeniert. Durch die Figur schräg zum Wasser ergeben sich statt eines frontalen Blicks auf das Humboldtforum vielseitigere Blicke den Fluss an sich und zusätzlich den Dom in Szene setzen. Obwohl durch den Geländeeinschnitt zwangsläufig Bestandsbäume entfallen, gelingt es dem Entwurf vor allem auf der Grünen Seite durch teilweisen Erhalt des Bestandsgeländes Baumcluster zu erhalten. Zusätzlich erzeugt dieses Prinzip ein natürlicheres Geländebild mit mehr Aufenthaltsnischen. Auf der Uferpromenade entsteht eine kleine Platzaufweitung die im Alltag durch ein bespielbares Nebel- und Fontänenfeld zur sommerlichen Abkühlung einlädt und die Sequenz der Wasserelemente entlang des zentralen Bandes komplettiert. Die ebenerdige Ausführung ermöglicht eine temporäre Bespielung des Ortes als multifunktionale Bühne. Das Ufer wird durch eine in die Stufenanlage eingelassene Rampe Barrierefrei an die obere Ebene angebunden. Über diese lässt sich auch die Karl-Liebknecht-Straße queren – alternativ kann die Unterquerung bestand behalten, der Entwurf und der Entfall der Zwischenebene ermöglichen von Seite des Forums eine Barrierefreie Querung, der Anschluss auf Seiten des Vera-Brittain-Ufers muss entsprechend angepasst werden.

Phasierungskonzept + Temporäre Maßnahmen

Der stufenweise Umbau des Planungsgebiets erfordert eine vorausschauende und langfristige Planung. Die bisher beschriebenen Umgestaltungsmaßnahmen sind bereits überwiegend im Planungshorizont 2024 möglich. In den nachfolgenden Phasen gilt es vor allem das neue Freiraumband in die Umgebung einzubinden und die angrenzenden autoorientierten Verkehrsräume für Fußgänger zurückzugewinnen. Die temporär eingerichtete Querung der Spandauer Straße an der zentralen Achse sollte bereits mit den Baumaßnahmen der Straßenbahn 2027 in eine dauerhafte bauliche Querung verwandelt werden, die Spandauer Straße zwischen Rathausstraße und Karl-Liebknecht-Straße im Querschnitt zurückgebaut und als Shared Space gestaltet werden. Die Rathausstraße, im nördlichen Abschnitt bereits heute weitgehend Fußgängerorientiert sollte im Zeitabschnitt 2030-2040 in einen Fußgängerbereich umgewandelt werden und so eine bessere Verknüpfung zwischen Freiraumband und Umgebung, besonders dem Nikolaiviertel zu erzeugen. Temporär können zur Vorbereitung Foodfestivals und andere Veranstaltungen auf der Fahrbahn durchgeführt werden und so den Wandel zu einem Ort für die Bürger inszenieren. Auch langfristig sollte die Gastronomie hier eine wichtige Rolle spielen, der großzügige Platzbereich zwischen Nikolaiviertel und Freiraumband bietet ein großes Potential für die Außengastronomie. Im weiteren Zeithorizont 2040 sollte die Umgestaltung der Karl-Liebknecht-Straße als Boulevard auch in Fortführung der Straße Unter den Linden in Angriff genommen werden. Neben den bereits vorhandenen großzügigen Gebäudevorzonen sollte im zentralen Straßenprofil ein Fußgängerboulevard entstehen, die Straßenbahnstränge dafür in den Heutigen KFZ-Bereich verlegt werden. Dadurch ergibt sich eine deutlich verbesserte Anbindung an die Westlichen Quartiere. Temporär bieten sich auch hier Straßenquerschnittsreduzierungen durch temporäre Events und Einbauten an, beispielsweise Pop-up Gärten aus Hochbeeten im Sommer, aber auch Straßenmärkte. Die Reisebushaltestelle sollte perspektivisch ebenfalls in die südliche Karl-Liebknecht-Straße verlegt werden.

Stadtnatur + Ökologie

Der Grundgedanke des Konzeptes ist die Inszenierung eines Verlaufs des Raumbildes von Urban und historisch zu ökologisch und grün. Entsprechend geht die historische Achse im Marx-Engels Forum in eine vielschichtige grüne Oase auf die viele unterschiedliche Habitate bietet. Aber auch der nördliche urbane Bereich bietet in den Randbereichen einen dichten Baumbestand zur Beschattung sowie großflächige versickerungsoffene Oberflächen (Kies, Grünflächen). Auch im südlichen Bereich wird schließlich auf einen weitgehenden Bestandsbaumerhalt geachtet. Dies gelingt bis auf einige Bäume im Uferbereich, die durch Neupflanzungen ausgeglichen werden können. Wichtige Habitate wie die Saatkrähenkolonie bleiben selbstverständlich unangetastet. Die Grüngestaltung erfolgt überwiegend extensiv und naturnah, Zielbild ist eine grüne Oase der Stadtmitte mit weiten artenreichen Wiesenbereichen und gehölzbegleitenden Staudenpflanzungen. Dies bildet den „Hintergrund“ für die eingestreuten Funktionsinseln. Eine lokale Regenwasserretention ohne Einleitung in die Kanalisation ist durch die Retentionsbereiche selbstverständlich. 

Historische Pfade

Die vielschichtige Geschichte des Ortes wird durch ein Netz aus monolithischen Informationsstelen, teils mit archäologischen Sichtfenstern sichtbar gemacht. Diese sind miteinander zu verschiedenen thematischen Pfaden verknüpft, sei dies eine Chronologie der Berliner Stadtgeschichte oder spezifischere thematische Routen. Die Verknüpfung erfolgt durch Belagspfeile an den Stelen die zur nächsten Station deuten, entlang historischer Sichtachsen sowie digital-virtuell über eine Smartphone-App.