2. Phase: 1385 – Anerkennung (1. Phase 1361)

 

WES GmbH LandschaftsArchitektur, mit Hans-Hermann Krafft, Berlin

Verfasser:in: Henrike Wehberg-Kraft

Mitarbeiter:in: Stefan Weber, Aliaksandra Dalmatava, Christina von Reth, Henriette Henning, Friedrich Wacker, Marion Kloker

Sonderfachleute: Beratung Regenwassermanagement: Buero Sieker, Berlin; Verkehrsplanung: ARGUS Stadt und Verkehr, Hamburg; Visualisierung: Loomn, Gütersloh

 

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Audiobeschreibung

 

Beurteilungstext Preisgericht

Der Entwurf zeichnet sich durch eine klare und klassische Raumstruktur und eine gute Durcharbeitung bis ins Detail aus. Die zentralen Sichtbezüge werden durch die mittlere, frei gehaltene Achse gewährleistet. Die abschließende Baumsetzung zur Spree hin lockert die strenge Achsialität wohltuend auf und erlaubt einen harmonischen Blick auf das Humboldt Forum. Die geschlossenen Baumreihen auf dem Rathausforum verstellen jedoch die vorhandenen differenzierten Räume und wichtige Querungsmöglichkeiten.

Insgesamt kann die Atmosphäre einer nicht kommerziellen Stadtoase im städtischen Trubel entstehen.

Die räumliche Verteilung der Funktionen auf dem Marx-Engels-Forum lässt eine hohe Akzeptanz durch verschiedene Nutzergruppen erwarten. Das große, zusammenhängende Wiesenrund bietet Raum für alles von Kontemplation bis sportliche Betätigungen durch verschiedenen Generationen und zu verschiedenen Jahreszeiten. Die südlich angelegte Feuchtwiese sollte in Bezug auf Erhaltung und Nutzbarkeit überprüft werden. Die wichtige Zugänglichkeit von den anschließenden Quartieren aus wird berücksichtigt, die Querung des Marx-Engels-Forums ist nur um das Wiesenrund herum möglich hier sind Trampelpfade zu erwarten.

Hervorzuheben ist der Erhalt von Bestandsbäumen und die hohe Anzahl an Neupflanzungen. Die Bilanz der Versiegelung ist aufgrund des hohen Anteils an teilversiegelter wassergebundener Wegedecke im Vergleich zum Ist-Zustand negativ. Hier sollte überprüft werden, ob Teilflächen vor allem bei den Stadthainen auf dem Rathausforum durch Rasenflächen ersetzt werden können. Dies könnte auch die noch als zu stark empfundenen Trennung der beiden Foren überwinden.

Das Spreeufer ist durch eine großzügige Treppe und zwei auffindbare Rampen gut erreichbar. Die Gestaltung wird jedoch als etwas zu monumental und steinern gesehen. Der Platz der Demokratie ist in Größe, Form und Platzierung gelungen. Die langgestreckten seitlichen Bänke erleichtern die Teilhabe für alle Generationen. Der Rathauspavillon ist gut konzipiert, steht jedoch unglücklich in der Achse der Jüdenstraße. Die Platzierung und Gestaltung der „Stadtstube“ erscheint den Bedürfnissen der aktuellen und erwartenden Nutzergruppen nicht gerecht zu werden. Hier ist eine Überprüfung der Nutzungsangebote ggf. im partizipativen Rahmen empfehlenswert. Die Nutzbarkeit der Holzpodeste im südlichen Teil des Rathausforums kann zumindest in der Zeit vor der Verkehrsberuhigung der Spandauer Straße in Frage gestellt werden.

Die denkmalgeschützten Elemente auf dem Rathausforum werden in selbstverständlicher Art in den Entwurf integriert. Kontrovers diskutiert wurde die Neuplatzierung der Figurengruppe des Marx-Engels-Forums. Die Forderung des Erhaltens am ursprünglichen Ort wurde nicht erfüllt und der Vorgang bildet damit aus Sicht des Denkmalschutzes keinen adäquaten Umgang mit dem Denkmal ab. Jedoch wurde das heranrücken an den Platz der Demokratie zugunsten einer freien Rasenfläche unter Beibehaltung der Komposition sowie die neu entstehenden Verbindungen von Teilen des Preisgerichtes positiv gesehen.

Die Vorschläge zu temporären und prozessualen Umwandlung der Rathausstraße, Karl-Liebknecht-Straße und Spandauer Straße in Räume vorwiegend für nicht motorisierter Verkehr und ÖPNV können gut funktionieren.

Die Verfasser:innen liefern fundierte Vorschläge zum Regenwassermanagement. Das Spektrum reicht von der Nutzung der Pflanzflächen in den angrenzenden Straßen zur Versickerung, einem großen Angebot an Versickerungsbereichen im Realisierungsteil, über das Sammeln von Regenwasser, auch von umliegenden Dächern in Zisternen zum Zwecke der Bewässerung sowie der Beimischung von Lehm um die Speicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen.

Insgesamt liefert die Arbeit eine gute Antwort auf die durch die Bürgerrichtlinien formulierten Erwartungen an diesem wichtigen, zentralen Stadtraum und stellt sich den Herausforderungen des Klimawandels.

Erläuterungstext Teilnehmende

In der hist. Innenstadt Berlins, deren Mitte der Fernsehturm markiert, wirkt der Bereich des Rathausforums (RHF) und Marx-Engels-Forums (MEF) noch immer wie eine städtebauliche Wunde. Das städtebauliche Grundkonzept wurde als Bestandteil des städtebaulichen Bandes durch das Zentrum der Hauptstadt der DDR angelegt. Es führt von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz, den Platz unter dem Fernsehturm, das Marx-Engels-Forum zum heutigen Schlossplatz. Die ursprünglich dicht bebaute Keimzelle Berlins war und ist ein Ort steten Wandels: nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs, durch die neuen städtebaulichen Leitbilder der ehemaligen DDR, die Bauten der Nachwendezeit, die Neue Maßstäblichkeit durch die geplanten Hochhäuser am Alexanderplatz, sowie die Vielzahl an kleineren Maßnahmen in den letzten Jahren. Der Ort hat und wird sich nachhaltig verändern. Stetig werden mehr Menschen in die Mitte Berlins kommen und damit den Nutzungsdruck erhöhen. All dieses ist unter ökologischen und stadtklimatischen Ansprüchen an einen urbanen Freiraum mit seiner zentralen Bedeutung für die Stadt zusammen zu bringen. Dafür gilt es ein urbanistisch – freiraumplanerisches Konzept zu entwickeln, welches die städtebauliche Konstellation und deren Maßstäblichkeit akzeptiert, adaptiert und weiterentwickelt. Das Konzept führt die vielen unterschiedlichen Teile zu einer wahrnehmbaren, zeitgemäßen Einheit zusammen und formuliert eine Mitte, die der Geschichte und Bedeutung des Ortes seine angemessene, urbane Identität und Qualität gibt.

Stadtsoziologischer Rahmen

Das RHF und MEF kann als das Forum Berlins bezeichnet werden – als lokalen Gegenpart zum Bundes-Forum im Regierungsviertel. Im Zusammenspiel nimmt es eine viel nahbarere Rolle ein, denn es wird alltäglich bespielt, benutzt und erlebt.

Das Forum in der Mitte Berlins steht ganz unterschiedlichen Nutzergruppen gegenüber. Tourist*innen strömen vom Hackeschen Markt im Nordwesten zu den Sehenswürdigkeiten und dem Nikolai Viertel. Eine größer werdende Gruppe von Anwohner*innen nutzt es von der gegenüberliegenden Seite kommend als Naherholungsraum, Treffpunkt und Sportstätte. Während historisch Interessierte vom Alex kommend die Hauptachse in all Ihren Zeitschichten erleben können, bietet sich vor dem Roten Rathaus die große Bühne für Kundgebungen an und abgesehen davon nutzt ganz Berlin den Alex als Ausgangspunkt für Shopping-, Kultur- und Partyausflüge.

Diese kulturelle und soziopolitische Collage will aufgefangen werden und jeweils ihren angemessenen Raum erhalten. Das Konzept schlägt Flächen vor, die eine hohe Fähigkeit haben sich von den Nutzergruppen aneignen zu lassen bei einer im Teilbereich differenzierten, kleinräumlichen Gliederung.

Das RHF bleibt als Politisches Forum offen und kann auch große Menschenansammlungen aufnehmen und Ihr ein Gemeinschaftsgefühl geben. Das MEF dagegen, ist stärker räumlich gegliedert, differenzierter und kleinteiliger. Es schafft den Raum für einen direkten Austausch in kleineren Gruppen bzw. bietet Orte für gemeinsames Sporttreiben und schafft so die Grundlage für eine großstädtische Geste wie auch eine neue Kiezidentität.

Während sich in beiden Bereichen bzw. Foren die Kiezangebote jeweils zur Rathausstraße hin ausrichten, werden auf der Seite der Karl-Liebknecht-Straße mit einem stärkeren touristischen Schwerpunkt vor allem Angebote zum sitzen und ausruhen ohne Konsumzwang gemacht – mit Sicht auf den Fernsehturm, die Marienkirche, Dom und Humboldtforum gleichermaßen.

Identität und Gestaltung

Das vorliegende Konzept setzt auf die Stärkung und Neuinterpretation der vorhandenen Potentiale und Möglichkeiten. Hierbei spielen die Karl-Liebknecht-Straße und die Rathausstraße sowie die Uferpromenade entlang der Spree eine tragende Rolle. Sie bilden das zukünftige Gerüst des Gesamtbereiches.

Ziel

Das städtebauliche und übergeordnete Ziel des Konzeptes ist es das Rathausforum und das Marx-Engels-Forum durch die Stärkung der vorhandenen Baumpakte an den jeweiligen Platzrändern und durch die kräftigen und stringenten Alleen in den anschließenden Straßen zu einer wahrnehmbaren Einheit zusammen zu ziehen – eine neue grüne Mitte von Berlin, die es schafft die unterschiedlichen Charaktere der vorhandenen und neu entstehenden Teilbereiche zu einem Ort für alle zusammenzufassen. Ein Ort mit einer so starken Identität die der Großstadt, dem Ort mit seiner vielschichten Geschichte, seiner vielschichtigen Bevölkerung, seinen vielschichtigen Besuchern gerecht wird und sie auffängt – unter einem grünen Dach vereint. Berlin mit seinen einzelnen Bezirken und unterschiedlichen Kiezen braucht diese alle zusammenfassende Geste in dieser Größe und Eindeutigkeit.

Die in der Vision für 2040 stark reduzierten Flächen für den MIV ermöglichen es, die gegenwärtigen Straßen zu grünen, lebenswerten und baumüberstandenen Esplanaden zu entwickeln. Berlin kann hier mit zukunftsweisenden Lösungen voranschreiten: Fußgänger*innen, Radfahrer*innen, eine vielschichtige zukünftige Mikromobilität und PKWs teilen sich die Flächen zunehmend gleichberechtigt und der zur Verfügung stehende Straßenraum wird neu aufgeteilt.

Der städtebauliche Rahmen aus DDR-Zeiten mit seiner großmaßstäblichen Randbebauung wird zu einem angemessenen, lebendigen und äußerst attraktiven, urbanen Rahmen mit lebendiger Erdgeschossnutzung. Er ist nicht länger von der „Platzmitte“ isoliert, sondern mit ihr in Beziehung gesetzt, in dem in der Karl-Liebknecht-Straße die bisher trennenden Fahrspuren in Anzahl und Breite reduziert werden, um den Radfahrer*innen, den Fußgänger*innen, begrünten Baumscheiben, einer hohen Anzahl von zusätzlichen Bäumen, Flächen für Regenwasserversickerung sowie ÖPNV einen angemessenen Raum anzubieten. In der Rathausstraße werden die neuen Tramgleise seitlich an das Rathausforum gerückt, dass vor den Gebäuden und Erdgeschosszonen ausreichend Platz für eine Baumallee mit großzügigen Grünstreifen, Sitzangeboten und Raum zum Flanieren im lichten Schatten bleibt. Dieser großstädtisch dimensionierte, grüne Rahmen verbindet mit seinen opulenten Boulevards nicht nur die Platzräume vom Rathaus- und Marx-Engels-Forum über die Uferterrassen an der Spree bis zum Humboldtforum zu einer Einheit, sondern entwickelt mit seiner ganzen Prägnanz und Dimension eine hohe Strahlkraft als zukunftsweisende Mitte. Hier kann Berlin das Flair einer modernen, freiheitsliebenden, grünen, zukunftsorientierten, demokratischen und pulsierenden Großstadt zeigen – mit einem vereinenden Baumdach aus Alleen als typisches und markantes Merkmal der Landschaft Berlin-Brandenburgs.

DAS RATHAUS-FORUM mit seiner axial auf den Fernsehturm angelegten Anlage „zerfällt“ momentan in eine Vielzahl unstrukturierter Bereiche. Um den Platzraum ablesbar zu gliedern wird das „barocke“, sehr urbane Grundprinzip mit einer repräsentativen Mittelachse und baumüberstandenen, seitlich angeordneten Parterres aufgegriffen und gestärkt. Die Planungen aus DDR-Zeiten wird als großstädtische Planung honoriert und respektiert. Mehr noch – das Konzept bietet den angemessenen Rahmen, um die ursprüngliche Intention unter den heute gegebenen Bedingungen zu entfalten bzw. wieder ablesbar zu machen.

Der räumliche Rahmen dieser großstätischen Achse wird durch konsequent gesetzte bzw. ergänzte Baumhaine und Baumreihen gestärkt. Die seitlich angeordneten lichten Baumdächer bilden eine attraktive, charaktervolle und robuste Grundstruktur. Sie nehmen als grüne Säulenhallen eine Vielzahl von Angeboten auf – ohne das Letztere in kleinteilige einzelne Flächen zerfallen.

Der heute grüngeprägte Bereich an der Rathausstraße wird zur „Grünen Stube“ mit Rückzugsbereichen zum Sitzen, Brettspielen, Ausruhen und Treffen zwischen Strauch- und Staudenflächen im Schatten des lichten Baumdaches. Ein Beteiligungskaffee mit öffentlichem WC und Anlaufpunkt für Jugendliche bildet einen sozialen Treffpunkt. Eine lockere Bestuhlung zwischen großzügigen grünen Baumscheiben für die Bestandsbäume, Bouleflächen und Tische für Brettspiele sorgen in Mitten der Großstadt für eine Biergartenatmosphäre ohne dafür zahlen zu müssen – mit Blick auf die repräsentativen Flächen mit Wasserkaskaden und Rosenbeeten.

Der Bereich um das zukünftige Lutherdenkmal auf der gegenüberliegenden Seite der Mittelachse wird den Charakter einer grünen Säulenhalle erhalten. Leicht abgegrenzt und gegliedert durch eine lange Bank bildet das neue Denkmal einen Schwerpunkt und Mittelpunkt, um den frei aufgestellte, leichte und bewegliche Stühle, sowie akustische Stühle und Virtual Reality-Stelen mit Informationsangeboten zur Geschichte vorgesehen werden.

Der Platz vor dem Roten Rathaus wird durch die Baumpakete räumlich gefasst – die historische Anordnung der Diagonalen wird hier übernommen und gestärkt. Lange Bänke im Schatten der Baumreihen rahmen den Platz zurückhaltend und begleiten den Blick sowie den Weg zum Gebäude. Ein bündig eingelegter trapezförmiger Plattenteppich, farblich leicht abgesetzt, macht eine räumlich Zäsur und bildet einen angemessenen Vorbereich und Bühne für politische Aktionen.

Ein heller, großzügiger Bodenbelag aus großformatigen Platten verbindet den Freiraum zu einer städtebaulichen Einheit und schafft im Bereich des RHF eine Art Stadtparkett in das die Bereiche „Grüne Stube“, „grüne Säulenhalle“, etc. eingelassen werden. Hier kann urbanes Leben und politisches Handeln stattfinden – das politische Berlin erhält eine räumlich angemessene Bühne, ergänzt durch angelagerte Rückzugs- und Aktionsbereiche, die die Vielschichtigkeit der Geschichte an diesem Ort weitererzählen.

Der Neptunbrunnen erhält an seinem derzeitigen Standort eine neue Fläche auf der er steht – ein Teppich mit einer dem Brunnen angemessene Dimension. Die heutige Fläche scheint die Besucher*innen, Flaneure*innen und alle sich Ausruhenden Gäste an den Rand zu drücken, was den Raum ungünstig und unproportioniert erscheinen lässt. Eine kleinere Fläche aus glatteren Bodenplatten nimmt Bezug zu dem Brunnen und seiner Dimension und fokussiert die Fläche. Der Brunnen rückt so näher an die Besucher*innen und Passant*innen heran, das kühle Nass kann direkter erlebt und seine temperatursenkende Wirkung gefühlt werden.

Die repräsentative Mittelachse wird an ihrem Übergang zum MEF durch zwei große Sitzpodeste ergänzt, die beweglich sind und sich zu z.B. einer großen Bühne für Kundgebungen, Konzerte oder Feste in unterschiedlicher Konstellation zusammenschieben lassen.

AN DER FUGE zwischen RHF zum MEF wird bereits für 2024 vorgeschlagen die Fahrbahn der Spandauer Straße in der Breite stark zu reduzieren, um die Mittelachse weiterzuführen und das RHF mit dem MEF städtebaulich, fußläufig, schon heute über die Fahrbahnen hinweg stärker zu verknüpfen. Eine Maßnahme die bereits im Rahmen vorgezogener, temporärer Maßnahmen den Bürgern Angebote macht, verdeutlich das etwas passiert und den Bedürfnissen folgend auch adaptiert werden kann. (s. Kap. Aneignung durch Event)

DAS MARX-ENGELS-DENKMAL wird auf der städtebaulichen Achse auf der es ursprünglich angeordnet war, weiter Richtung Osten – auf die Fläche zum Eingang in den Marx-Engels-Park gerückt. Die Bedeutung dieser wichtigen und prägenden Philosophen wird durch ein Verrücken aus der Mitte der neuen Gesamtanlage in den Übergang zum Rathausforum hervorgehoben. Die Zuordnung zum Rathausbereich ist bewahrt und der Rahmen auf den großzügigen Flächen am Übergang zur Grünanlage, mit dem Hintergrund der grünen Bürgerwiese der Bedeutung angemessen.

Ihren Abschluss findet die städtebauliche Achse in der großen kreisrunden, nach Westen leicht abfallenden Bürgerwiese – dem WIESENGRUND und den dahinterliegenden Spreeterrassen.

Eine kreisrunde, große und freie Wiesenfläche fängt die städtebauliche Achse auf, indem sie dem MARX-ENGELS-PARK zentriert und eindeutige Mitte gibt. Ein großzügiges Baumbach aus vorhandenen Bäumen ist schon heute ortsprägend. Es wird durch Nachpflanzungen ergänzt um den WIESENGRUND in der Mitte räumlich zu fassen und um den notwendigen Schutz und „grünen Filter“ zu der umgebenden lebendigen Stadt zu bilden. Niedrige, großzügige Strauchflächen unter dem lichten Baumbach mit Lichtungen und Nischen für kleine geschützte Wiesenflächen, Spiel- und Rückzugsbereiche unterstützen die rahmende räumliche Wirkung und schirmen den städtischen Grünraum ab, bei gleichzeitiger Ermöglichung von wichtigen Blickbeziehungen. Zwei Sitzstufen fassen die Wiesenfläche und schieben sich mit der langsam nach Westen fallenden Wiesenfläche aus dem Boden. Am tiefsten Punkt im Südwesten der großen Wiese wird durch Sprinkler und Nebeldüsen zeitweise Wasser angestaut, sodass ein Feuchtgebiet mit Gräsern und Wildstauden entsteht. Es spielt auf die Entstehungszeit und den Entstehungsort an und erinnert an die historischen Sümpfe um Berlin. Zudem wird diese Fläche eine kühlende Wirkung auf das Umfeld haben.

Das von einem breiten, promenadenartigen Weg eingefasste grünen Rund steht so in seiner weiten Form auch für Offenheit und Freiheit in der sozialen Gemeinsamkeit. Das Rund steht, wenn man so möchte, für ein Ideal, für ein Ziel der Stadtgesellschaft und weit über sie hinaus…

Vom Platzrand aus, durch querende Wege an das direkte städtische Umfeld angebunden, bietet der neue Stadtpark vielfältige, speziell auch an Anwohner*innen gerichtete, Nutzungsangebote, wie Jugendtreff, Naherholung, Sport und Spiel. An seinen Rändern eröffnen sich zahlreiche stimmungsvolle Nischen und Raumfolgen im spannungsvollen Wechsel zwischen Kleinstrukturen und weiten Grünräumen, zwischen hell besonnten Lichtungen und lichtem Schatten. Es entstehen Rückzugsorte für die Bewohner*innen und Besucher*innen gleichermaßen, aber auch für die Flora und Fauna, ohne die eine Stadt nicht bestehen kann.

Der Stadtpark liegt wie ein Balkon über der Spree, die als Zäsur und besonderer Höhepunkt die Altstadt von der Museumsinsel trennt. Eine großzügige und breite Stufenanlage mit integrierten Rampen zur barrierefreien Erschließung, überlagert von großen grünen Inseln und einzelnen schattenspendenden Bäumen, bildet den Abschluss und begleitet die Uferpromenade, mit Blick nach Südwesten in den Sonnenuntergang und auf die Museumsinsel. Unter das kleine Plateau auf Straßenniveau zur Rathausbrücke, schiebt sich das Tickethäuschen der Reederei.

Das Thema Wasser hat für den Gesamtbereich eine große Bedeutung und wird mit unterschiedlicher Thematik als Gesamtinszenierung wahrgenommen werden können. Dazu gehören die Kaskaden am Sockel des Fernsehturmes genauso, wie der hist. Neptunbrunnen und der leicht abgesenkte Wiesenkreis mit seiner Funktion als Regenrückhaltebecken bei besonderen Regenereignissen. Im Sommer zu besonderen Anlässen kann die Fläche geflutet werden und im Winter außerdem mit entsprechenden konstruktiven Aufbauten als große künstliche Eisfläche betrieben werden, um in den dunklen Jahreszeiten ein Highlight und Treffpunkt im Freiraum zu bieten. Darüber hinaus sind Oberflächenrelief und Sickerfähigkeit der Beläge des gesamten Bereiches hinsichtlich eines effizienten und Nachhaltigen Umgangs mit Oberflächenwasser, bis hin zu Starkregenereignissen in das Konzept miteinbezogen.

BODENDENKMÄLER

Die Spuren der Geschichte und der hist. Stadtmitte werden bereits in dem leicht abgesenkten Bereich um die Marienkirche als Linien im Pflaster nachgezeichnet, wie ein Fenster in die Zeitschichten des Berliner Bodens. Als weitere und städtebaulich-historisch wichtige Spur, soll der Verlauf der hist. Stadtmauer im Bereich südlich des Fernsehturmes im Plattenbelag markiert werden, um städtebauliche Bezüge nachzuvollziehen. Für weitere Gebäude wie z.B. das Haus „Hoher Steinweg 15“, das hist. Rathaus oder auch andere historische Spuren wird vorgeschlagen an den jeweiligen Standorten Virtual Reality-Stelen zum Durchschauen, Akustik-Stühle die bei Berührung, durch Hinsetzen oder per Hand die Geschichte hörbar werden lassen, aufzustellen und mit zusätzlichen digitalen Angeboten, wie speziell für den Ort entwickelten Handy Apps die die Historie virtuell nachvollziehbar machen können zu ergänzen, sodass die Geschichte des Ortes, analog, digital und akustisch für jeden Interessierten erlebbar werden kann.

Nachhaltigkeit und Resilienz

REGENWASSERMANAGEMENT

Auf dem RHF und im MEF wird das Regenwasser in den Bereichen unter den seitlich angeordneten Baumdächern in teilweise großzügig begrünte Baumscheiben, sowie in die Pflanzflächen mit Sträuchern und Staudenflächen geleitet. Diese sind gegenüber dem Belag leicht abgesenkt, sodass dort ausreichend Stauraum vorhanden ist um Regenwasser zu versickern. Da es im Bereich RHF einen höheren Anteil an versiegelten Flächen gibt, wird vorgeschlagen das überschüssige Regenwasser in mehreren Unterflur-Zisternen zu sammeln, um es in Trockenzeiten zur Bewässerung der Grünanlagen zu nutzen. Regenwasser wird in Zukunft nicht mehr einfach abgeleitet werden können und Berlin ist ohnehin auf dem Weg neue Konzepte für den Umgang mit dem Regenwasser zu erarbeiten, sodass diese Maßnahmen als Sowieso-Maßnahmen verstanden werden müssten.

Alle Pflanzflächen bis auf die hist. Rosenbeete liegen im Halbschatten oder lichten Schatten, sodass der Bewässerungsaufwand so gering wie möglich gehalten wird. Der große Wiesenkreis wird in den Sommermonaten durch das in den Zisternen gesammelte Regenwasser vom RHF bewässert. Vorgeschlagen wird außerdem, in den direkt besonnten Bereichen und in Teilen der großen Wiesenfläche, Bodenverbesserungsmaßnahmen vorzusehen. Durch Zumischung von Lehm wird die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöht und die Notwendigkeit der Bewässerung in Trockenzeiten reduziert.

Verkehr und Mobilität

Schon heute können den Verkehrszahlen für MIV und ÖPNV nach zu urteilen die vorhandenen Fahrspuren in der Karl-Liebknecht-Straße und in der Spandauer Str. reduziert werden. Es wird vorgeschlagen die Asphaltflächen neu aufzuteilen und die Fahrspuren zu Gunsten von Radwegen, Angeboten für Radfahrer*innen, temporären Aufenthaltsflächen und temporärem Grün zu reduzieren. Auf diese Weise können Fahrspurreduktionen für die Zukunft getestet, ausgewertet und diskutiert werden.

Bauabschnitte

Als 1. Bauabschnitt sollte die Stufenanlage zum Spreeufer hergestellt werden, um diese wichtige Situation gegenüber dem inzwischen fertiggestellten Humboldtforum aufzuwerten. Gemessen an der Bedeutung für Berlinbesucher*innen und Berliner*innen und da der Bereich momentan durch die Lücken im Baumbestand noch gut erreichbar ist, die die Baustelle der U-Bahn hinterlassen hat, wird vorgeschlagen hier mit der Maßnahme zu beginnen.

Dann folgen Richtung Nordosten der große Mittelbereich mit dem Wiesenkreis und den Baumüberstandenen Randbereichen. Damit werden rechtzeitig Aufenthaltsbereiche und Freizeitangebote geschaffen, die Ersatz schaffen für Angebote, die vom Rathausforum in das Marx-Engels-Form verlagert werden, wie z.B. das Beachvolleyballfeld oder Angebote wie der Anlaufpunkt für Jugendliche.

Mit dem 3. Bauabschnitt sollten die räumlichen Fassungen des Rathausforum durch die Baumdächer/Baumhaine umgesetzt werden, so dass der städtebauliche Raum spürbar wird.

Die Mittelachse wird als Highlight im 4. Bauabschnitt umgesetzt und wird durch den 5. Bauschnitt, die Fußwege auf beiden Seiten der Spandauer Str. zum Abschluss gebracht.

Da der 5. Bauabschnitt zeitlich mit der Umsetzung der Tramtrasse in der Spandauer Straße zusammenfallen könnte, gibt es u.U. die Möglichkeit die Baustelle der Tram zu nutzen, um die Spandauer Str. insgesamt als Baumaßnahme inkl. der Fußwege, als Bestandteil des Rathausforum und des Marx-Engels-Forums umzusetzen. Es wäre eine vorgezogene Maßnahme um die Schneise, die durch die Spandauer Str. heute gebildet wird, erheblich zu reduzieren.