2. Phase: 1387 (1. Phase 1333)

 

 

Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Verfasser:in: Jürgen Weidinger

Mitarbeiter:in: Guohao Li, Tiangheng Fu, Guido Engelke, Gelan Yin, Nefeli Kastrounis

Sonderfachleute: Verkehrsplanung: Andreas Franken / M+O Berlin GmbH; Beratung für Pflanzenplanung und Biodiversität: Anselm Bohley

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Audiobeschreibung

 

Erläuterungstext Teilnehmende

DIVERSITY PARK

1. KONZEPT DES DIVERSITY PARKS

Diversity – Begegnung – Toleranz

In der Mitte Berlins wird das heutige Marx Engels Forum zum Diversity Park als „Neuer Lustgarten für Alle“ weiterentwickelt. Hier am Schmelzpunkt historischer Stadtrelikte, am Ort gesellschaftlich-politischer Reflektion und gelebter Stadtkultur macht der Diversity Park Angebote für alle Menschen, für Berliner und für Gäste. Der Park bietet für die Post-Covid Ära unterschiedliche Bereiche, für große und mittlere Gruppen und auch für Einzelne. Es gibt Angebote für Partizipation und Teilhabe, für Gespräch und Information, für Bewegung und Ruhe. Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird thematisiert und gefördert. Toleranz entsteht durch Begegnung von Menschen. Für diese Begegnung sind großzügige und dafür ausgestattete Aufenthaltszonen vorgesehen.

Neue Stadträume statt Verkehrsräume

Bis 2040, hoffentlich so zügig wie möglich, wird ein großer fußgänger- und fahrradfreundlicher Stadtraum, von der Bebauung an der Rathausstraße bis zur Bebauung an der Karl-Liebknecht-Straße und von der Spree bis zum Bahnhof Alexanderplatz, geschaffen, der nicht mehr durch separat abgetrennte Verkehrsräume durchschnitten ist. Dieses neue „Berlin-Forum“ ist fußgängerfreundlich an den Boulevard „Unter den Linden“, die Freiräume um das Humboldt-Forum und den Lustgarten, den Alexanderplatz, aber auch an die versteckte Rosenstraße und das Nicolaiviertel angebunden. Fußgänger, Fahrradfahrer und ÖPNV und Tram werden gestärkt. Gelegentliche Befahrung in der Karl-Liebknecht Straße Süd/Unter den Linden und Spandauer Straße durch MIV, Reisebusse, Anlieferung, Entsorgung, Taxi, Feuerwehr und Polizei, etc. ist weiterhin möglich, dafür sind Fahrbahnen ausgebildet und markiert. Kleinteilige Fahrbahnverschwenkungen und „Kissen“ sind nicht vorgesehen, das Ziel ist angemessene Verkehrsreduktion und nicht die vollständige Verunmöglichung des Verkehrs. Die Karl-Liebknecht Straße Nord erhält folgende Fahrbahnen: Tram, MIV, Bus, Fahrradschnellweg. Die Geometrie der Spuren für die Verkehrsarten ist im Plan M 1:500 abgebildet und vermaßt. Somit können ehemalige Straßenflächen als großzügige Fußgänger-bereiche mit neuen schattenspendenden Bäumen und zusätzlichem Mobiliar hergestellt werden. Die Erdgeschosszonen entlang der Straßen können so stärker aktiviert werden und Außengastronomien ausgebaut werden. Zeitnah bis 2024 wird die Spandauer Straße temporär umgebaut. Dazu zählen großzügige zentrale Gehwegvorstreckungen, die Verschmälerung auf 2 Fahrbahnen, die sich Tram und Gelegenheitsverkehr teilen, und die Anlage von Pop-Up Fahrradwegen.

Die Dominanz der architektonischen „Alphatiere“ mildern

Das neue Humboldtforum und der Fernsehturm verbreiten intensive bauliche Präsenz. Durch den Baumbestand und ergänzende Baumpflanzungen als „Filter oder Vorhänge“ wird die axiale Beziehung abgemildert. Eine lineare Achse zwischen den baulichen „Alpha-Tieren“ wird nicht gewünscht. Wichtiger ist das Vernähen der unterschiedlichen Kulissen und die präzise Anbindung an die umgebenden Quartiere. Der Diversity Park, zwischen den baulichen Alphatieren, wird eine eigene individuelle Stimmung entwickeln.

Vielfalt entsteht durch den offenen Raum in der Mitte und den flankierenden Diversity Arealen

In der Mitte entsteht der offene, sonnige Bewegungsraum. An den Rändern, in der durch Licht und Schatten geprägten Zone des Baumbestands, entstehen Angebotsräume für vielfältige programmatische Füllung. Hier werden bestehende Anlagen, wie Denkmal-Orte oder Baumbestand integriert und es wird auf benachbarte Situationen, wie das Rote Rathaus oder die Erdgeschoßzonen der Karl-Liebknecht Straße oder der Rathausstraße reagiert. Neue Angebote für Gesundheit, Sport, Gemeinschaft, Schmuck, Kunst, Biodiversität und Regengärten, Spiel- und Treffpunkte und vieles mehr werden platziert. Die Auswahl der Nutzungen und Themenbereiche soll durch Teilhabe der Stadtgesellschaft erfolgen. Insbesondere die Aneignungsflächen werden im Dialog mit Akteuren programmatisch bestimmt und gestaltet.

Weiterentwicklung der bestehenden Formsprache und Leichtigkeit als Prinzip

Die Formsprache des Ensembles Fernsehturm und Rathaus-Forums wird aufgenommen und weiterentwickelt. Polygonale Flächen werden abgeleitet, vielfältig variiert und mit der Wegestruktur in Bezug auf den Bestand und auf Quell- und Zielpunkte verwoben. Durch abgerundete Ecken erhält die Raumkomposition eine „fluide“ Anmutung. Die Monumentalität der Architektur und Landschaftsarchitektur der DDR und des steinernen Humboldt-Forums werden so gemildert und durch andere Qualitäten ergänzt. Die Ausstattungsgegenstände und Konstruktionen im Freiraum folgen dem Prinzip der Leichtigkeit, und bestehen daher aus Stahl, Holz und Glas – im Gegensatz zur monumentalen Verwendung von Stein im Humboldt-Forum. Das Element Paravant, aus Stahlstangen mit farbigen Glastafeln (Sicherheitsglas), knüpft an die Tradition der baukünstlerischen Gestaltung der DDR an. Zusätzlich sollen die Paravants berankt werden und interessant geschichtetes Durchscheinen auslösen.

Die Rahmung der Diversity Areale

Die Rahmungen aller Bereiche werden ebenfalls aus gebundener Sand-Edelsplitt Decke hergestellt und bieten so zahlreiche Vorteile. Mobiliar, Trinkbrunnen, Informationsschilder oder Bücherkisten, usw. werden hier platziert. Bestehende Bäume können behutsam in den Belag eingebunden werden. In diesem Schwellenraum finden die Begegnungen statt, die gegenseitiges Verständnis und Toleranz fördern können.

2. AREALE DER DIVERSITY

An den S-Bahn Bögen, um den Fernsehturm, die Wechselflor-Dreiecke am Fernsehturm

Im nördlichen Bereich darf kaum etwas verändert werden. Wir schlagen vor, die heute nicht genutzten, nicht gepflegten und unansehnlichen Rasendreiecke als Wechselflorflächen zu bepflanzen.

Schmuckplatz mit Wasserkaskaden und Rosenbeeten

Der Belag orientiert sich am heute bestehenden Verlegemuster und der heute bestehenden Stein-größe. Wir schlagen Naturstein, im gleichen Format mit gleichem Verlegemuster vor, das eine qualitätvollere Wirkung erzeugt und dauerhafter ist. Die Einfassungen der Rosenpflanzungen werden erneuert und mit Sitzbänken ergänzt. Die Pflanzungen werden aufgefrischt und behutsam mit Lavendel und Gräsern akzentuiert.

St. Marien Kirchhof und Kirchgarten

Ein Teil der Rasenfläche wird zum Kirchgarten mit Staudenpflanzungen und Sitzbereichen für kontemplativen Aufenthalt umgestaltet. Die ursprünglich eingesetzt Investition wird nicht rück-gebaut, nur weitergebaut.

Klimagarten

Die Stadtklima-Station wird zum Klimagarten weiterentwickelt. Hier kann man Messgeräte für Stadtklima betrachten und ablesen und erhält Informationen zur Klimafolgenadaption. Die Bepflanzung ist zukunftsorientiert auf trockeneres und wärmeres Klima ausgerichtet.

Urbane Fitness, Sport und Gesundheitsbereiche

Auf der Ostseite des Rathaus-Forums am Fernsehturm wird um das bestehende Volleyballfeld ein Bereich für Urban Fitness und Gesundheit entwickelt. Die bestehende Toilette wird freigestellt, neben dem Volleyballfeld eine Parcours Anlage ergänzt. In Buchten in den Pflanzflächen werden Gesundheitsgeräte aufgestellt. Die bestehenden Bäume erzeigen eine schöne räumliche Fassung.

Archäologischer Garten Hoher Steinweg 15

Die archäologischen Funde werden durch eine Freirauminstallation vermittelt. Zusätzliche Informationstafeln mit QR Code vermitteln Hintergrundwissen. Hier entsteht eine wichtige Station des Archäologischen Pfads.

Sanft bewegter Rathausplatz

Der Rathausplatz ist Ort für Feste, Veranstaltungen, Demonstrationen, Symposien, etc.. Um eine lebendige Erscheinung auch für die Zeiträume ohne Veranstaltung anzubieten, wird die Platzoberfläche unter Einhaltung der Barrierefreiheit leicht bewegt. Die großen polygonalen Kunststeinplatten im Kairo-Muster geben dem Platz einen besonderen Charakter. Auf drei Hochpunkten werden Wasserspiel-Fontainen eingerichtet, deren Wasser in Rinnen am Fuß der Hochpunkte gesammelt und aufbereitet wird. Die Fontainen können interaktiv gesteuert werden. Der Wasserspielkreislauf ist unabhängig von der Funktion des Rathausplatzes als wichtiger Baustein des Regenwassermanagements. Die niedrigen Flächen des Rathausplatzes um die sanften Erhöhungen werden bei Starkregenereignissen eingestaut und wirken als Verdunstungsmulde. Eine Überlaufrinne führt höhere Niederschlagsmengen zu Zisternen für die Bewässerung.

Gärten der Berliner Partnerstädte aus 4 Kontinenten

Die Pflanzfläche südlich des Rathausplatzes thematisiert die Vegetation der Partnerstädte anderer Erd-Kontinente: Los Angeles, Mexiko-Stadt, Buenos Aires, Jakarta, Tokio, Taschkent, Peking, Windhuk.

Denkmale, Archäologische Fenster, Ausstellungen und Audio-Objekte „Berliner Pflanzen“

An der Karl-Liebknecht Strasse werden das Martin Luther Denkmal und das Denkmal Haus Mendelssohn in die Gestaltung eingebunden. Um das Luther Denkmal entstehen Baumgruppen mit Sitzbereichen. Die Lage des Übergangs zur Rosenstraße wird mittelfristig optimiert. Das Marx-Engels Denkmal wird neu platziert. Archäologische Fenster, Ausstellungen und die Audio-Objekte „Berliner Pflanzen“ werden in die Gestaltung eingebunden.

Spandauer Straße als Ort für Paraden, Demonstrationen, Christopher Street Day und Karneval

Mittelfristig wird die Spandauer Straße auf 2 Fahrspuren, in den die Geleise liegen, und zwei Fahrradwege reduziert. Die nur gelegentlich stattfindenden Befahrung mit Fahrzeugen oder Tram ermöglicht einen neuen Ort für Paraden.

Empfangsplätze

An den ehemaligen Kreuzungen der Straßen und den Einmündungen von Wegen aus den angrenzenden Quartieren werden Empfangsplätze als Treffpunkte und Orientierungsorte angelegt. Hier gibt es Platz und die notwendigen Leitungsanschlüsse für Food-Trucks und Eiswagen.

Rasenflächen und Biodiverse Pflanzungen unter Bestandsbäumen

Zahlreiche Rasenfläche zum Lagern und Spielen werden angeboten. Es gibt sonnige Rasenflächen in der Mitte und halbschattige Rasenfläche an den Rändern. Dort wo die Bestandsbäume sehr eng stehen und für die Anlage von Rasenflächen zu wenig Sonnenlicht zur Verfügung steht, werden biodiverse Schattenpflanzungen aus Stauden und Gehölzen hergestellt.

Staudenbeete und Wechselflor

Einige Staudenbeete bieten pflanzlichen Schmuck über das ganze Jahr. Dabei wird besonderer Wert auf Insektenweide mit Dauerblühern und die Verwendung heimischer Wildstauden gelegt. Menschen lieben Blumen. An den Eingangs-Bereichen werden Wechselflorflächen eingebunden, so dass Blumenbeete die beiden Längsseiten begleiten.

Aneignungsflächen

Für mehrere Aneignungsflächen wird im Planungsprozess in Zusammenarbeit mit diversen Akteuren die Programmatik und Gestaltung gemeinsam erarbeitet. Hier könnten Urban Gardening oder Immigrantengärten, Gendergärten oder Heilgärten angelegt werden. Die Programmatik kann auch nach einigen Jahren wieder wechseln. Ein Kuratierung der Aneignungsflächen durch einen einzurichtenden Diversity Park-Beirat wird empfohlen.

Bereiche für Urban Health und Fitness

Parks sollen heute auch Angebote für Urban Health und Fitness beinhalten. Im Rathausforum und im Marx-Engels-Forum werden solche Bereiche ausgewiesen. Die abschließende Ausgestaltung und Bestückung soll mit Medizinern und Sportwissenschaftlern entwickelt werden.

Streetball, Sport und barrierefrei und integrative Spielplätze

Ein Streetballfeld mit loungartigen Möbeln und Tischtennis bietet sportliche Betätigung am Nicolaiviertel. Zwei große barrierefrei und integrative Spielplätze für alle Alters- und Nutzergruppen werden hergestellt. Der Spielplatz auf der Westseite des Marx-Engels Forum bekommt Kletterattraktionen, auch bis in die Bestandsbäume hinein. Der Spielplatz am Nicolaiviertel bietet Challenges zur Koordination in unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden.

Tanz- und Gemeinschaftsraum für Nachbarschaft Nicolaiviertel

Am Nicolaiviertel wird ein open Air Tanzsaal und Gemeinschaftsraum für die Nachbarschaft hergestellt für Plenum, Kurse, Tanzen und gemeinsame Abendessen.

Open Air Galerie

Dieser Bereich erhält Pflanzungen an den Flanken und einen waldartigen Weg aus feinen Holzhack-schnitzel, in dem Skulpturen aufgestellt werden. Die Ausstellungen werden durch einen Diversity Park-Beirat kuratiert.

Picknick- und Lesegarten

Eine halbschattige Rasenfläche wird als Picknick- und Lesegarten entwickelt. Fest installierte Tischgruppen, fest und mobile Liegen und mobile Stühle stehen zur Verfügung. Mehrere Bücher-Boxen stehen allen Besuchern zum Tausch und zum Leihen von Büchern zur Verfügung. Vielleicht siedeln sich einige Bouquinisten an.

Spreeplatz, Spreepromenade, Spreetreppe

Die Spreetreppe überwindet den Höhenunterschied und wird zum beliebten „Sun-Down“ Platz. Der Spreeplatz ist von der Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße barrierefrei erschlossen. Am Spreeplatz befindet sich der Steg für die Spree-Schiffahrt, einige Bäume bieten Schatten für die wartenden Passagiere. Ein in den Hang gebautes kleines Gebäude beinhaltet WC, Kiosk und Ticketverkauf.

3. BEGEGNUNGEN MIT DER GESCHICHTE

Neben den denkmalgeschützten Architekturen, der Ufersituation und der DDR-Landschaftsarchitektur gibt es mehrere verschiedene Denkmäler und Erinnerungsmomente im Freiraum, das Luther Denkmal, das Mendelssohn Denkmal, das Denkmal der beiden Aufbauhelfer. Das Ensemble Marx Engels wird seitlich im offenen Rasenraum platziert. Die Einzelteile sind aufeinander bezogen und  spielen zusammen. Somit bleibt das Ensemble des Marx-Engels Denkmals präsent, ohne den Ort zu dominieren, was der geschichtlichen Einordnung unserer Zeit entspricht. Das Archäologische Fenster Altes Rathaus kann weiterentwickelt werden. Die Schilder des Archäologischen Pfad werden an den gewünschten Stellen eingeordnet. Am Standort „Hoher Steinweg 15“ werden die Kellerfunde an der Oberfläche durch eine Installation mit ergänzenden Infos zur Geschichte des ehemaligen Stadtteils thematisiert. An der Karl-Liebknecht-Straße wird eine Ausstellung zur Berliner Stadt-entwicklung aufgebaut. Das neue Audio-Objekt „Berliner Pflanze“ vermittelt individuelle Biografien und Selbstverständnisse von Berliner Bürgern, aus Ost und West und mit anderen vielfältigen Herkünften. Dadurch wird an das bisher durchgeführte Partizipationsverfahren angeschlossen und die Alltagswelt der Berliner aufgenommen (nicht nur prominenter Bürger).

4. TECHNISCHE UND BIOLOGISCHE INNOVATIONEN

Gebundene Sand-Edelsplitt Decken

Der Wurzelschutz für Bestandsbäume, die in Wegeflächen eingebunden werden, wird mit gebundenen Sand-Edelsplitt Decken sichergestellt. Die Baumstämme erhalten einen Metallring, an den die Deckschicht angearbeitet wird. Die wasser- und luftdurchlässige Decke (z.B. LUWADUR) wird über den Wurzeln aufgebracht, d.h. der Belag wird zum Stamm hin höher. Vorsorglich werden Reparatur-fugen eingelegt, so dass im Schadensfall nur klein Fläche ausgetauscht werden müssen. So können die Bestandsbäume erhalten werden.

Regenwassermanagement

Die räumliche Struktur ist so ausgebildet, dass alle Teilbereiche zu Regenwasserspeichern werden. Dort wo die Voraussetzungen erfüllt sind, werden Verdunstungsflächen angelegt, sonst Versickerungsflächen. Die Überläufe werden über Sandfänge in Zisternen geleitet die zur Bewässerung genutzt werden.

Öko Sun-Reflektor

Parabolische Lichtfänger mit einer Metalloberfläche reflektieren Sonnenlicht in die unteren Zonen der Bereiche, die mit vielen Bäumen bestanden sind und erzeugen eine „Aufhellung“. Die Masten werden auch mit Vorrichtungen für Smart City Sensoren ausgestattet. Hohlräume bilden einen Beitrag zum Animal Aided Design. In den Masten werden Bewässerungsleitungen (aus den Zisternen) hochgeführt und durch Düsen in die Pflanzflächen und Rasenflächen geworfen. Diese Bewässerung dient auch zur Abkühlung und als Spiel-Objekt im Sommer.

Bodenmikrobiom-Injektion

Eine mit Bakterien und Pilzen gut versorgte Umgebung tragt zur Gesundheit des Ökosystems Stadt bei. Eine biodiverse Stadtnatur benötigt eine größere Artenvielfalt, auch im Bodenmikrobiom. Daher werden Böden mit aktivem und breiten Mikrobiom eingebaut, dass sich über die Flächen ausbreiten soll. Dieser mikrobiotisch aktive Boden setzt sich zusammen aus 40% Pilzen, 35 % Bakterien, 20 % Actinomyceten (Mikrofauna) und 5 % Algen. In Pflanzbereichen, die nicht tiefgründig ausgetauscht oder verbessert werden können (in Wurzelbereichen), werden neuartige Bodenmikrobiom-Injektionen durchgeführt.

5. URBANES GRÜN UND BIODIVERSITY

Alle Pflanzen sind nach dem Kriterium der Insektenfreundlichkeit ausgewählt.

Neue und andere Bäume mit leichten Kronen und feingliedrigem Laub

Wie im Bereich Fernsehturm bereits begonnen, werden andere Bäume als Neupflanzungen ergänzt. Gingko-Bäume werden an den Rändern der sonnigen Liegerasenflächen gepflanzt. In anderen Bereichen werden für Hitzeklima geeignete Bäume mit lichten Kronen und leichtem Blattwerk eingesetzt. Dabei handelt es sich um Ungarische Silberlinde Brabant (kein Nektar), Edelkastanie (Castanea sativa), Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis), Ungarische Eiche (Quercus frainetto), Zerreiche (Quercus cerris), Japanische Zelkove (Zelkova serrata), Japanischer Schnurbaum (Sophora japonica), Kobushi-Magnolie (Magnolia kobus), Persischer Eisenholzbaum (Parrotia persica). Als Berliner Spezialität werden einige Purpur-Erlen (Alnus x spaethii), die in der Baumschule Späth gezüchtet wurden, ergänzt.

Biodiverse Unterpflanzung der Bestandbäume

Bepflanzung mit u.a. Astilben, Farne, Epimedium (Elfenblumen), Geranium, Pachysandra, Waldsteinia, Gräser wie Luzula (heimischer Waldmarbel) und Hakonechloa (japanisches Waldgras).

Staudenbeete als Insektenweiden mit Dauerblühern und Wildstauden

Verwendet werden: Agastache (Duftnessel), Astern in Arten und Sorten, Echinops ritro – Kugeldisteln, Oenothera – Nachtkerzen, Rudbeckia – Sonnenhüte, Sanguisorba – Wiesenknopf, Sedum – Hohe Herbstfetthenne, Salvia nemerosa – Sommer-Salbei, Veronica – Ehrenpreis und Gräser. Durchsetzt mit einjährigen dauerblühenden Insektenmagneten wie Gaura und Verbena bonariensis und niedrigen langblühenden Sträuchern wie: Caryopteris clandonensis «Blauer Spatz», Perovskia, Lavendula, Nepeta (alle in blau – preußische Farbe, als Grundfarbe der Pflanzungen). Dauerhafte Durchsetzung mit Tulpen, Krokussen, Narzissen oder Schneeglöckchen besonders frühblühend, wichtig für Insekten als Spender für Nektar und Pollen. Weiterhin Blattpflanzen wie Brennnesseln und Disteln wichtig, da diese für Falter besonders wichtig sind.

Staudenbeet der Partnerstädte anderer Kontinente

Nordamerika, Los Angeles: Helenium, Phlox, Rudbeckia, Yucca (Palmlilie).

Südamerika, Mexiko-Stadt: Mexikanische Duftnessel, Agastache, Dahlien, Tagetes.

Buenos Aires: Pampasgras, Cortaderia selloana, Verbena bonariensis.

Asien, Jakarta Kübelpflanzen: Hibiskus, Zierbanane.

Asien, Tokio: Anemonen, Astilben.

Asien, Taschkent: Rosen, Eremurus/Steppenkerze.

Asien Peking: Chrysantheme, Pfingstrosen, Bambus.

Afrika, Windhuk: Fackellilien.

Klimagarten

Die Flächen werden mit Pflanzen belegt, die kommendes Klima gut vertragen, wie Astern, Salvia (Salbei in Arten), Veronica (Ehrenpreis) Veronicastrum,‘Polygonum amplexicaule‘(Kerzenknöterich), Echinops (Kugeldisteln) und Gehölze, wie Buschklee (Lespedeza thunbergii), Indigostrauch (Indigofera heterantha), Bartblume (Caryopteris) und Judasbaum (Cercis siliquastrum).

Wechselflor

Wechselflorflächen werden an den Eingangsbereichen angelegt und vermitteln eine einladende Atmosphäre. Frühjahrflor: Geophyten: Tulpen und Narzissen, mit hohen Allium-Kugeln, in Teppichen von Vergissmeinnicht (Myosotis), Veilchen (Viola), Tausendschön (Bellis), durchsetzt mit Nachtviole (Hesperis matronalis, duftend) und Akelei (Aquilegia) – beides Insektenmagneten. Sommerflor: Blumenteppiche mit leichtem und lockeren Aufbau als Kontrast zur Strenge der Architektur, vom Rand zur Mitte höher werden mit Fernwirkung in verschieden Farbgrundthemen, wie Gelb-Orange-Rot für besondere Fernwirkung an der Karl-Liebknecht-Str.: Rudbeckien, Tagetes tenuifolia, Lobelia fulgida ‘Queen Victoria’ in der Mitte bis 2 m und mehr hohe Canna und Ricinus, Nicotiana sylvestris, auf der anderen Seite (an den Passagen) eher in erfrischendem Blau mit viel Weiß durchsetzt: Cosmea, Lobelien, Salvien und Scabiosen, Verbenen und Gräser.

Kletterpflanzen

An den Paravants werden Clematis viticella in Sorten, Lonicera in Sorten und Akebien gepflanzt.