2. Phase: 1390 – 2. Preis

Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin

Verfasser:in: Leonard Grosch

Mitarbeiter:in: André Feldmann, Eva Liebig, Moritz Wette, Pascal Zißler, Martin Schmitz

Sonderfachleute: Verkehrsplanung / BRP: Bernd Kühne; Entwässerungsplanung / Müller-Kalchreuth: Martin Drost

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Audiobeschreibung

 

Beurteilungstext Preisgericht

Die Arbeit schlägt eine raumübergreifende Geste in Form eines baumbestandenen Gesamtraums von der Spreeterrasse bis zum Alexanderplatz vor. Diese Struktur verbindet die Teilräume zu einem Ganzen und überlagert den Denkmalbestand behutsam, ohne ihn zu verfremden. Die Mittelachse soll als strukturierendes Element erhalten, jedoch in ihrer axialen Strenge abgemildert werden. Durch präzise Setzungen werden Teilräume akzentuiert und bekommen eine je eigene Identität, ohne das gesamte Forum zu stören. Interventionen werden auf einfache Weise durch topographische Überhöhungen oder Vertiefungen betont und gewinnen dadurch an strukturierender Kraft. Mit dem perspektivischen Wegfall der Spandauer Straße und der grünen Ertüchtigung der Hauptachsen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße gewinnt dieser Gesamtansatz an Kraft.

Das Marx-Engels-Forum wird geprägt durch ein bestandsorientiertes Bild, in dem ein offener, ruhiger grüner Wiesenraum das Marx-Engels-Denkmal in das Zentrum stellt, ohne dies zu überinstrumentalisieren. Richtung Spree senkt sich dieser grüne Teppich ab und bildet eine ruhige grüne Antwort auf die gegenüberliegende Fassade des Humboldt Forums. Die Ufersituation wird sehr ruhig und unprätentiös gestaltet. Der Ansatz der behutsamen Absenkung des Geländes ist richtig, allerdings ist die kleinteilige Gestaltung der Rampen noch wenig überzeugend. Insgesamt könnte die Arbeit hier etwas mehr Kraft entwickeln. Im Marx-Engels-Forum gibt es neben dem Denkmal zwei weitere Setzungen, die in Größe und Lage überzeugen, lediglich die Idee einer Speakers Corner wirkt hier falsch verortet.

Auch im Rathausforum wird das Prinzip der Überlagerung mit großer Selbstverständlichkeit umgesetzt, hier sollte jedoch der Umfang der Neupflanzungen überprüft werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen, z.B. in den Rosenbeeten. Sehr gelungen wirkt dagegen die Geste des neuen Platzes vor dem Roten Rathaus. Hier entsteht eine selbstverständliche Gliederung in Subräume zwischen Rathaus und U-Bahn-Eingängen sowie bis zum Neptunbrunnen und der Mittelachse. Räumlich und funktionell ebenso selbstverständlich wirkt die Urban Sports Bowl, bei der die Überlagerung gelingt und zugleich ein deutlich wahrnehmbarer Ort entsteht.

Der Umgang mit dem Regenwasser überzeugt.

Kontrovers diskutiert wurde, ob die kleine Rasenfläche als verbindende Geste über die trennende Spandauer Straße funktioniert und ob die übergreifende Baumstruktur als verbindendes Element in der Wahrnehmung der Menschen ausreicht.

Die zurückhaltende Integration des Marx-Engels-Denkmals wird begrüßt. Kritisch diskutiert wurde jedoch die Positionierung auf einer durch eine Stufe abgesetzten Rasenfläche ohne jeglichen Zugang über Wege oder befestigte Flächen.

Die Arbeit überzeugt durch sehr robuste, einfache Gesten im Gesamtraum und im Detail und bietet eine sehr gute Grundlage für eine Weiterentwicklung dieses Ortes.

Erläuterungstext Teilnehmende

Das Bürgerforum – ein berlintypischer Möglichkeitsraum

Vom achsialen zum polyzentrischen Forum

Die Zeugnisse repräsentativer Machtausdrücke vergangener Epochen sind zwischen Fernsehturm und Stadtschloss in einer Linie geführt. Ihre inhaltliche Verbindung ist heute nicht mehr nachvollziehbar und gesellschaftlich nicht mehr aktuell. Die offene Mittelachse dominiert und reduziert den Raum auf einen visuellen Wow-Effekt. Unsere Absicht ist es, diesen Effekt in seiner Ausschliesslichkeit zu mildern und aus einem zentralistischen Ort ein polyzentrisches Gewebe zu schaffen. Die bedeutsamen Denkmale werden in einen aktuellen Kontext eingewoben. Das neue Forum soll für Pluralismus, Offenheit und Teilhabe stehen und für einen Beitrag zur Klimaökologie stehen.

Lebendigkeit durch Teilhabe

Um dieses Ziel zu erreichen, wird den alten und neuen Akteuren mehr Platz eingeräumt. Der Platz um die Marienkirche und die Kaskadentreppe machen es vor: Eine topografische Ebene als städtisch nutzbarer Raum zum Sitzen, Schauen, Flanieren, Spielen oder Demonstrieren. Dieses Prinzip der direkten Zuordnung von Flächen zu einem Akteur inklusive topografischer Ausformulierung adaptieren wir respektvoll für die anderen Orte. Es dimensioniert die einzelnen Foren in einem dem Ort angemessenen Maßstab und wird mit Aufenthalts-, Spiel- und Sportprogrammen belebt.

Raumgerüst

Das oben beschriebene ideelle und soziale Konzept mündet in einem einfachen, höchst anpassungsfähigen Raumkonzept: Die befestigten programmierten Orte sitzen in einem Gewebe aus vegetativen Feldern, überdeckt von einem Baumhain. In den Orten gibt es mit weniger Bäumen, über den Feldern dichtere Baumhaine. Der Zuschnitt sowohl der Orte, als auch der Vegetationsfelder ist dabei flexibel und kann sich im weiteren Planungsprozess anpassen. Die Mittelachse vom Turm zum Humboldtforum bleibt frei, wird allerdings durch die Baumverdichtung gemildert.

Orte

Im Setting der einzelnen intensiven Orte wird das Bedürfnis der Bürger und Touristen, sich diesen Ort anzueignen, konkret. Das bereits vorhandene räumliche Thema des Aufklappens (Sockelbau Fernsehturm) und des Versenkens (Kirchhof) wird in den Foren als unterschiedliche Bühne-Tribüne-Motive weitergeführt.

Der neue Rathausvorplatz soll für Demonstrationen weitgehend frei bleiben und zudem repräsentativen Charakter für die Empfänge des Regierenden ausstrahlen. Das übergeordnete Motiv der topographischen Ausformulierung der Platzränder wird hier durch zwei lange, beidseitig besitzbare Bänke als sparsame Raumbegrenzung des Platzes in Richtung Neptunbrunnen ausformuliert. Gesägtes Grosssteinpflaster aus rötlichen Porphyr und hellgrauem Granit (ähnlich wie bei der Marienkirche nur mit einem höheren rötlichen Porphyanteil) verbindet sich mit dem Klinker des Monumentalbaus. Die bestehenden Linden werden durch weitere Bäume unregelmässig ergänzt, so dass die strahlenförmige Figur der derzeitigen Baumsetzung aufgelöst wird. Wegen der darunter verlaufenden U-Bahn, bzw. den archäologischen Funden vor dem Rathaus begrenzt sich die Fläche des Baumhaines auf den nordwestlichen Bereich. Unter den Bäumen kommt rotgraue, wassergebundene Decke zum Einsatz und sorgt für eine reizvolle haptische Differenzierung. Die Aufbauhelfer, die gläsernen U-Bahn-Aufgänge und die skulpturalen Leuchten vor dem Rathaus genügen als Möblierung, um zusammen mit den Großbänken und Bäumen und dem hochwertigen Belag ein würdevolles und gut nutzbares Platzensemble zu schaffen.

Der Neptunbrunnen wird an Ort und Stelle erhalten, erhält allerdings eine platzbündige Aura aus geschliffenem Asphalt. Die Materialwahl nimmt Verbindung auf zu den glatten, terrazzoartigen Betonplatten des Fernsehturmensembles. Die Rosenbeete fügen sich in den Entwurf ein und werden mit einigen lichten Bäumen bepflanzt, die genügend Sonne für die Rosen hindurchlassen.

Die bestehende Gestaltung des Marienkirchhofs stellt die Kirche bereits auf ein hochwertiges Fundament und bliebt vollumfänglich erhalten. Allerdings wird der Hof durch zusätzliche Grünflächen an zwei Seiten gefasst und damit betont und aufgewertet. Somit entsteht der Eindruck eines befestigten Kirchhofs im Grünen. Die einzige Ergänzung besteht im Aufstellen einer Litfaßsäule als Station des historischen Pfades im Bereich des alten Stadtmodells. Der Nordhof kann bei entsprechendem Interesse zu einem Kirchgarten zum Mitmachen ausgebaut werden.

Das Rathausforum ist seit langer Zeit ein Ort informeller Jugendkultur. Mit der großen Urban Sports Bowl bekommen junge Menschen ihr eigenes, attraktives Territorium. Die großen Bestandsgehölze zonieren die Senke in unterschiedliche Spielbereiche und eine große Skatebowl im lichten Schatten der Bäume. Mit den vielfältigen Möglichkeiten zum Beobachten des sportlichen Geschehens – einer nach oben gefalteten Betontribüne am Bolzplatz und der halbrunden Tribüne am Südrand der Bowl – entsteht ein höchst lebendiger Ort. Die zentrale Lage und die visuelle Attraktivität des Skategeschehens und Ballspiels lässt diesen Ort auch für Passanten als Hotspot zum Zugucken werden. Abgesehen von zweien werden alle Bäume erhalten.

Die prägnante Raumkonfiguration im Marx-Engels-Forum – eine von Bäumen gerahmte Lichtung – soll erhalten und weiter in Szene gesetzt werden. Zwei Ziele sollen dort auf hohem Niveau verbunden werden: Einerseits soll das Forum Gedenkort sein und zugleich eine maximale Nutzbarkeit als Park in der Innenstadt bieten. Das Ensemble des Marx-Engels-Denkmals von Margret Midell, Werner Stötzer und Arno Fischer wird wieder in seiner ursprünglichen Position aus dem Jahr 1986 angeordnet. Die beide Bronzefiguren stehen zentral auf der Freifläche und werden von der Marmorreliefwand, sowie von vier Doppelstelen aus Edelstahl komplementiert. Der Plattenkreis hält das Ensemble zusammen, wird aber nicht wie ehedem befestigt, sondern in Rasen ausgeführt und hebt sich mit einer dezenten, zehn Zentimeter hohen Stufe aus der Lichtung heraus. Die derzeitige Wegefigur wird von einer geometrisch-ornamentalen zu einer pragmatisch-aformalen aktualisiert. Dabei nehmen die breiteren Hauptwege (ca. 5 m) die Fluchten und Verbindungen der angrenzenden Straßen und Eingänge auf oder bilden den Rundweg um die Lichtung.  Auf schmalen, teils verwinkelten Nebenwegen kann zwischen den Schattenwiesensäumen gewandelt werden. Die Bestandsbäume werden zugunsten von mehr Licht aufgeastet, an passenden Stellen wird der Baumrahmen ergänzt.

Der grüne Spreehang und die davor liegende Spreepromenade sind einzigartig in ihrer Zentrumslage mit Blick auf Wasser und Schloss. Die derzeitige Ausprägung hält allerdings nur wenig Platz für die Menschen bereit. Die abzuwägenden Werte sind: Erhalt des Baumbestandes, funktionale Verbesserung des Raumes für die Berliner und ihre Besucher, angemessenes Gegenüber zur mächtigen Schlossfassade. Unter sorgfältiger Abwägung dieser Aspekte schlagen wir eine Verbreiterung der Promenade und an einigen Stellen eine dezente Abflachung der Südböschung unter Fällung einiger weniger Bäume (die natürlich auf dem Gelände ausgleichen werden) vor. Die Bereiche mit den erhaltenen Bäumen verschränken sich mit den abgeflachten Hängen, wodurch räumlich reizvolle Nischen zum Lagern, Sonnen, Lesen, Sonnenuntergang geniessen entstehen. Große, beidseitig besitzbare Bänke bieten viel Raum zum Sitzen auf der Promenade. Barrierefreie Rampen legen sich selbstverständlich in die Topographie und binden an das obere Niveau zusätzlich mit geschleppten Stufen an. Die Spreepromenade ist mit einem farblich etwas dunkleren Diorit vom allgemeinen Belag abgesetzt.

Mit zwei großen Kinderspielplätzen wird das Forum um einen bisher nicht vorhandenen essentiellen Programmpunkt erweitert und das Forum als kinderfreundlicher Ort definiert. Die Große Spieltopografie für die 0-6-jährigen (evtl. bis 10 Jahre) befindet sich im Baumrahmen des Marx-Engels-Forums. Die Stelle des früheren U-Bahnbaus ist baumfrei und deshalb besonders gut geeignet. Die Figur nimmt auf die einfachen geometrischen Formen der übrigen programmierten Orte Bezug. Im Inneren des Spielplatzes wird eine Mikrotopographie von einem ebenmässigen Spielhügel zu einer bewegteren Spiellandschaft formuliert. Ein Stangenwald aus unregelmässigen Robinienstämmen komplettiert mit einigen schattenspendenden Bäumen den Baumrahmen um die Lichtung des Forums. Zwischen Topographie und Stämmen laden Netze zum Beklettern, Wasser-Matsch, Trampoline, aber auch klassische Spielgeräte wie Schaukeln und kleine Rutschen zum vielfältigen Erproben ein.

Ein Speakers Point – ein Pavillon mit einem besitzbaren Rand ist ein zusätzliches Ziel im Baumrahmen zum Sitzen, kleine Veranstaltungen oder eben, um seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Idealerweise würde er mit einer mobilen Kaffeebar kombiniert.

Metropolitane Wildnis / Klimaökologie

Der vitale Baumbestand ist die Ausgangslage für das räumliche wie vegetative Gerüst des Entwurfs. Da davon auszugehen ist, dass sich mit dem Fortschreiten des Klimawandels die Gehölze und Pflanzen zunehmend Dürreperioden und Starkregenereignissen anpassen müssen, schlagen wir eine metropolitane Wildnis vor, die Dynamik zulässt. Die Gehölze werden bis auf wenige Ausnahmen vollständig erhalten und mit klimaangepassten Bäumen wie Eichen- und Zürgelbaum-Arten (Quercus cerris und frainetto, Celtis australis und occidentalis), Sophoren (Styphnolobium japonicum), oder Baumhaseln (Corylus colurna) ergänzt. Beim Ausfallen einzelner Gehölze werden die resilienten Arten nachgepflanzt. Ziel ist es, dass sich der Bestand als zusammenhängender Hain ‚in sich‘ vor den klimatischen Auswirkungen schützt.

Ein Großteil der vegetativen Flächen liegt unter dem Kronenbereich der Bestandsgehölze. Das stellt die Unterpflanzung vor die besondere Herausforderung, dem Mangel an Wasser und hohem Wurzeldruck standzuhalten. Wir schlagen eine Ansaat aus Schattengräsern und Wald-Blütenpflanzen vor, die diesem Standort gerecht wird. Eine zweijährige Mahd extensiviert die Pflege. An besonderen Situationen wird die Pflanzung mit robusten Farnen (u.a. Dryopteris filix-mas), Stauden (u.a. Viola odorata, Asarum europaeum, Helleborus foetidus) und Waldgräsern (u.a. Luzula sylvatica, Carex umbrosa) intensiviert. Zusätzlich besteht die Möglichkeit die Flächen mit cropping-geeigneten, niedrigen Sträuchern zu bepflanzen. Die Regenwasserbewirtschaftung ist darauf ausgerichtet, das anfallende Wasser in die Vegetationsflächen abzuleiten und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen. Wo voraussichtlich mehr Wasser anfallen und verzögert abgeleitet werden wird, ist die Pflanzung den wechselfeuchten Begebenheiten als Verdunstungsbeet angepasst.

Im Zusammenspiel der Gräser, Wald-Blütenpflanzen und Großgehölze entsteht ein vielfältiger und höchst sinnlicher, vegetativer Raum. Wildere, artenreiche Natur wird mit gepflegtem Nutzrasen und befestigten Flächen angenehm kontrastiert. Er ist ein Co-Habitat für Pflanzen, Tiere und Menschen zugleich. Die Pflanzen sorgen für Schatten und kühlen mit der Verdunstung über die Blätter das Mikro- und Mesoklima. Hitzeinseln können hiermit vermieden oder mindestens gemildert werden, was sich positiv auf das gesundheitliche Befinden der Besuchenden auswirkt. Diese metropolitane Wildnis bietet einen dynamischen Beitrag, leistungsfähig auf kommende klimatische Bedingungen zu reagieren.

Teils aufgeastete Bäume erzeugen zusammen mit der etwa hüfthohen Unterpflanzung den Eindruck einer grünen Halle, die Sicherheit durch gute Überblickbarkeit und erhöhte soziale Kontrolle durch Belebung fördert.

Material & Mobiliar

Die Wahl der Materialien bedient sich berlintypischer Motive. In ihrer Zusammenstellung, insbesondere in Kombination mit der klimaangepassten Vegetation, ändert sie allerdings die Sehgewohnheit. Unser Ziel ist es, die beiden Forumsbereiche mit einer durchgängigen Pflasterung aus gesägten Diorit-Kleinsteinen zu versehen und damit Kohärenz zu schaffen. Der hochwertige Naturstein ist in Passe verlegt und für die Herstellung komplexerer Oberflächengeometrien wie zum Umbau bei Revisionen gleichermaßen geeignet. Aufmerksamkeit durch Abwechslung erhalten die Orte auf dem Forum. Die Materialien sind größer (gesägter Grossstein) skaliert und den Denkmalen bzw. den Programmen angepasst. Alle Beläge sind barrierefrei begeh- und berollbar. Auf nicht notwendige Kanten und Borde wird verzichtet.

Beim Mobiliar setzten wir ebenfalls auf ein kohärentes Design, dass sich ausschließlich an den programmierten Orten ändern darf. Die Materialien bleiben dabei allerdings gleich. Als Vorbild dient die lange Bank im Rathausforum, die in ihrem schlichten wie robusten Design aus einer hellen Metallkonstruktion mit Holzauflage – z.b. bei den beidseitig besitzbaren Großbänken auf den Promenaden und auf dem Rathausplatz – weiter entwickelt wird. Wünschenswert ist die freie Aneignung der Metallstühle von Achim Kühn. Eine Kooperation mit Gastronomen oder Kiosken wäre denkbar.

Regenwassermanagement

Grundsätzlich können die Bereiche des Marx-Engels- und des Rathausforums getrennt voneinander betrachtet und bewirtschaftet werden. Die Ziele und Maßnahmen sind in beiden Bereichen ähnlich. Der Anspruch liegt auf einer vollständigen Abkopplung vom Mischwassernetz.

Die oberste Prämisse liegt darin den, Oberflächenabfluss der teilversiegelten Flächen überall wo möglich in die angrenzenden Vegetationsflächen sowie Verdunstungsbeete zu entwässern. Lediglich bei Bereichen mit größeren zusammenhängenden befestigten Flächen wie vor dem Roten Rathaus oder der Urban Sports Bowl wird das Wasser nach einer Vorreinigung über Muldenrinnen in Zisternen gesammelt. Am Marx-Engels-Forum sehen wir eine Zisterne, am Rathausforum zwei Zisternen vor. Diese beiden Zisternen werden zusätzlich mit dem Niederschlagswasser der Dachflächen der Marienkirche und des Sockelbaus des Fernsehturms gespeist. Der Ablauf des Neptunbrunnens und der Wasserkaskade können dort ebenfalls eingeleitet werden. Für den Fall längerer Trockenperioden kann ein Grundwasserbrunnen (Rathausforum) oder die Entnahme aus der Spree (Marx-Engels-Forum) die Befüllung der Zisternen gewährleisten. Im Falle länger anhaltender Regenereignisse ist der Überlauf der Zisternen an eine zentrale Versickerungsrigole im Marx-Engels-Forum angebunden. Seltene Überläufe aus der Versickerungsrigole werden unter Nutzung der vorhandenen Auslaufbauwerke in die Spree entwässert.

Das gesammelte Wasser wird für die Bewässerung der Grünflächen durch Regner- und Tröpfchenbewässerung in beiden Foren eingesetzt und sichert somit auch in Zukunft die Vitalität der Vegetation. Baumneupflanzungen werden – wo möglich – mit Baumrigolen realisiert.

In einer Grobberechnung resultiert aus diesen Maßnahmen im Realisierungsteil eine Versickerung von 55 %, sowie eine Verdunstung von 44 % des anfallenden Regenwassers bei vernachlässigbarem Abfluss. Die Verdunstung beinhaltet zu etwa 43 % die Bewässerung der Vegetationsflächen aus den Zisternen.

Bauphasen 2024

Da die Spandauer Straße bis 2024 in ihrer Geometrie nicht verändert wird, ist das Gesamtgelände generell in zwei Baubereiche unterteilbar, die autark voneinander entwickelt werden können. Sowohl das Marx-Engels-Forum, als auch das Rathausforum besitzen eine eigenständige Regenwasserbewirtschaftung, was diese Einteilung stützt.

Die erste Bauphase beginnt im Marx-Engels-Forum mit dem Umbau der Parkanlage um das Denkmal. Da dieser Bereich lange Jahre als Fläche für die Baustelleneinrichtung der U5 gedient hat, besteht hier der höchste Sanierungsbedarf. Der zweite Schritt konzentriert sich auf den Umbau der Rasenloge und Spreeterrasse. Mit den Erdarbeiten entstehen beiderseits der Terrasse barrierefreie Zugänge zum Ufer. Aufgrund des schon heute gedrosselten Verkehrs sollte in Erwägung gezogen werden, die Rathausstraße entlang des Nikolaiviertels bis 2024 mitzuentwickeln. Dies würde von Beginn an eine starke Bindung des historischen Stadtkerns und des Humboldt-Forums an den neuen Park erzeugen.

Da davon auszugehen ist, dass sich die Verkehre und Bauabläufe am Rathausforum komplexer verhalten als im Marx-Engels-Forum, ist dieser Bereich in mehrere Abschnitte unterteilt, deren Teilfertigstellung bereits eine spürbare Verbesserung zur Bestandssituation darstellen. Die Setzungen der Urban Sports Bowl, des Rosenparterres mit Neptunbrunnen und der Eingang am Lutherdenkmal bilden Abschnitte, die teilweise oder zusammenhängend errichtet werden können. Der Rathausplatz ist im Perimeter des Realisierungsteils vom Roten Rathaus entkoppelt. Auch hier sollte in Erwägung gezogen werden, diesen Bereich bereits bis 2024 mitzubauen, da die Höhenplanung für die Tramgleise voraussichtlich zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen ist. Die Gleise können entweder mit der Platzfläche verlegt oder als Vorhaltefläche temporär gepflastert werden.

Die Modernierungs- oder vorbereitenden Maßnahmen außerhalb des Realisierungsbereichs, wie Pop-Up-Radwege oder die temporäre Allee aus Kübelpflanzen in der Rathausstraße sind als Einzelmaßnahmen gelöst von den Umbauvorhaben umzusetzen.

Verkehr und Mobilität

Eine Vision beschreibt einen erstrebenswerten Zustand in der (fernen) Zukunft. 2040 ist nicht so fern. Nach heutigem Standard berechnete Anzahlen von Fahrspuren für den motorisierten Individualverkehr sind keine Vision. Aber seien wir pragmatisch: der MIV wird sich auch bis 2040 nicht gänzlich in Luft auflösen. Also tun wir (fast) alles für Fußgänger/Flaneure, Radfahrer, den ÖPNV (Bahnen und Busse). Möglichst stadt-, umwelt- und klimaverträglich. Sicher, barrierefrei und inklusiv. Natürlich kann das nur eine prozesshafte Entwicklung sein. Die U-Bahnlinie 5 wurde jüngst eröffnet, die Straßenbahnlinie M4 in der Rathausstraße und der Spandauer Straße soll alsbald gebaut werden.

Ein Radfernweg verläuft durch das Wettbewerbsgebiet, wir priorisieren das übergeordnete

Fahrradroutennetz, wollen dafür je einen MIV-Fahrstreifen in der Karl-Liebknecht-Straße opfern. Wunsch und Vision der Bürger ist die Verkehrsberuhigung. Wir wollen dem gerecht werden: eine geringere Barrierewirkung der Straßen, Verzahnung zwischen Freiräumen und Straßenräumen, Zonierung der schnelleren und der langsameren Fortbewegung und des Aufenthalts, gute und mehr Querungsmöglichkeiten (Priorität für die Fußgänger), Reduzierung der Parkplätze für den MIV, dafür reichlich Pärkplätze für Fahrräder und Sharing-Angebote.

Bis 2040 sind es nur 19 Jahre. Nicht viel für z.B. das Planfeststellungsverfahren für die M4. Wir mögen an dieser Stelle keine genauen Zeiten für einzelne Bausteine angeben, sollten mit dem Machbaren zügig beginnen, die Entwicklung beobachten, pragmatisch vorgehen und unsere Visionen im Auge behalten.

Vielleicht spielen die Kinder mitten in der Stadt während die Eltern an einem schönen, ruhigen Ort Kaffee trinken, sich keine Sorgen machen müssen. Wenige, leise Autos, viele Fahrräder, Menschen beim Schaufensterbummel, auch schnellere Leute auf E-Bikes auf breiten Radwegen auf dem Weg zur Arbeit, ungefährdet.

Als räumliche, geschichtliche und emotionale Projektionsfläche ist das Marx-Engels- und Rathausform Teil der Berliner Stadtidentität. Aus dem Wunsch nach Teilhabe und Diversität wird das Forum zum wandelbaren Setting, das dem metropolitanen Ausdruck Berlins gerecht wird.