2. Phase: 1393 (1. Phase 1349)

 

 

 

Topotek 1, Berlin

Verfasser:in: Martin Rein-Cano

Mitarbeiter:in: Francesca Venier, Claudia Magri, Gökzen Boz, Viktor Kopieikin

Sonderfachleute: Verkehrsplanung: Matthias Richter, Hoffmann-Leichter Ingenieurgemeinschaft mbH, Berlin

Gesamtansicht (Link)

Audiobeschreibung

 

Erläuterungstext Teilnehmende

LEITIDEE:

Unser Konzept für die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Rathaus-/ Marx-Engels-Forums, basiert auf der Existenz drei verschiedener Zeitschichten – die historische Vorkriegsstadt, die sozialistische Nachkriegsstadt und die Jetzige Stadt –, die diesen Raum prägten und prägen. Als Resultat wird dieser Facettenreichtum der Berliner Mitte sichtbar und erlebbar gemacht, während durch eine neue Programmierung dieser Räume Aktivitäts- und Aufenthaltsorte, die den heutigen Ansprüchen gerecht werden, entstehen. Insbesondere für den 2040 anvisierten Endausbau werden die großen existierenden verkehrlichen Anlagen für den PKW-Verkehr auf ein Minimum optimiert und durch großangelegte Alleen begleitet. Diese Räume sorgen in Ost-West Richtung für eine vegetative Kontinuität (Linden) und schaffen gleichzeitig einen menschlichen Maßstab.

ZEITSCHICHTEN:

Unser Entwurf sucht nach Möglichkeiten, die Wege-, und Platzstrukturen des historischen Berlins, soweit möglich, durch neu zu entwickelnde Belagsdifferenzierungen wieder deutlicher erlebbar zu machen. Es entsteht ein Palimpsest sanfter Überlagerungen der oben genannten Zeitschichten. Die Strukturen des Mittelalters, welche durch den zweiten Weltkrieg und durch den sozialistischen Wiederaufbau unwiederbringlich verloren gingen, sollen an diesem Ort stärker in Erscheinung treten und neben der sozialistischen Raumauffassung einen Platz finden. Darüber hinaus soll das zeitgenössische Berlin mit seinen besonderen Nutzungen von Freiräumen sich an diesem Ort wiederfinden. Insbesondere kleinmaßstäbliche Angebote sollen im Kontrast zu der Monumentalität der historischen, sowie der sozialistischen Stadt stehen.

MITTELALTERLICHE ZEITSCHICHT:

Unser Entwurf sieht vor, die Wege- und Platzstrukturen des Mittelalters in die heutige Struktur des Parks zu überführen. Nördlich des Rathauses wird die „Jüdenstraße“ in das Wettbewerbsgebiet erweitert und wird so diese historische Zeitschicht sichtbar machen. Die „Rosenstraßen“ führt versetzt über den Vorplatz der Kirche, den ehemaligen Marien-Kirchhof, der ebenfalls die historische Zeitschicht Berlins an dieser Stelle deutlich macht.

Die „Spandauerstraße“, die das Wettbewerbsgebiet teilt, wird als wichtige historische Straße, die bereits im Bestand ist, verschmälert und in ihrer Verkehrsausprägung reduziert. Darüber hinaus wird im südlichen Parkteil die Verbindung der „Heiligegeiststraße“ und der „Poststraße“ wiederhergestellt. Des Weiteren wird die historische „Kleine Poststraße“ (aktuell nicht im Bestand) als ein Parkweg wiederhergestellt werden.

Diese neu geschaffenen Platz- und Straßenräumen überlagern sich teilweise mit der Bestandssituation der sozialistischen Stadt (Bestandsbäume) und des gleichen im südlichen Teil mit dem Marx-Engels-Forum.

SOZIALISTISCHE ZEITSCHICHT:

Auch die sozialistische Zeitschicht soll in ihrer heutigen Form insbesondere in der Achse „Spandauerstraße“/Fernsehturm erhalten bleiben und durch minimale Ergänzungen optimiert werden. Diese Fläche eignet sich durch seine wesenstypische Leere für temporäre Nutzungen aller Art, die bereits heute durch den Weihnachtsmarkt erfolgen. Darüber hinaus wäre es wünschenswert auch im Sommer mit einer jeweiligen Sommerbepflanzung (Oleander) diesen Raum und seine Monumentalität neu zu interpretieren.

Eine weitere Veränderung erfährt diese sozialistische Achse im Bereich der Begegnung zwischen dem Vorplatz des Fernsehturms und dem S-Bahnhof Alexanderplatz. Dort entsteht eine Wasseranlage, die das Thema des Wassers in Form eines Springbrunnens von der Spree bis zum S-Bahnhof als Trittstein fortsetzt.

Das Marx-Engels-Denkmal als Gesamtensemble bleibt in seinem Erscheinungsbild erhalten (alle Plastiken werden an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt). Unser Entwurf sieht vor, die historischen Gassen in diesem Bereich wiederherzustellen. Diese durchschneiden das Ensemble und machen durch Überlagerungen die verschiedenen Zeitschichten damit sichtbar.

GEGENWÄRTIGE ZEITSCHICHT:

Durch die neuen Hauptwegestrukturen im gesamten Bereich setzten sich insbesondere im nördlichen Bereich klar voneinander getrennte Blöcke ab, welche programmaisch unterschiedlichen Nutzungen beigefügt werden. Neben dem Kirch-Block entstehen ein Spielplatz-Block und ein Rathausplatz-Block, sowie ein Luther-Denkmal-Block. Der Demokratieplatz vor dem roten Rathaus sucht einen direkten materiellen Bezug zum Regierungsgebäude (Klinker). Die rote Rundbank stellt an dieser Stelle ein Symbol von Gemeinschaft da und bietet einen Auftakt für den ansonsten für politische Manifestation reservierten Raum. Nord-östlich davon wird ein neuer Spielplatz eine Reihe unterschiedlicher Aktivitäten für unterschiedliche Altersgruppen anbieten. Der vierte neu entstehende Block liegt um das Lutherdenkmal und erhält daher auch seinen Namen (Lutherblock). Charakterisierend sind die stärkere Freistellung des Denkmals, sowie eine intensive Neubepflanzung des Blocks. Darüber hinaus schafft dieser Block eine bessere Anbindung an die „Rosenstraße“.  

Das süd-westlich davon gelegene Marx-Engels-Forum wird als Parkraum durch zusätzliche Bepflanzungen, sowie einer neuen Wegestruktur weiterentwickelt. Es entstehen vielfache kleinmaßstäbliche Verbindungs- und Aufenthaltsräume. Zur Spree hin kreiert eine großzügige Holztribüne einen informellen Aufenthaltsraum mit Blick auf die historische Kulisse. Großzügige Rampen- und Treppenanlagen werden in diese neue Tribüne integriert und schaffen so eine verbesserte, behindertengerechte Nord-Süd-Verbindung entlang der Spree. An der Seite der „Rathausstraße“ wird sich außerdem die Ticketausgabe befinden.

Zusammenfassend werden vielfache unterschiedliche Aufenthalts- und Nutzungsmöglichkeiten als Antwort auf die heutigen Bedürfnisse der Stadtbewohner angeboten.

MÖBLIERUNG UND BELEUCHTUNG

Die unterschiedlichen Aktivitäts- und Aufenthaltsqualitäten der vielen neu geschaffenen Orte innerhalb des Wettbewerbsgebietes, werden mit ausgewählter Möblierung und Beleuchtung ausgestattet.

Die bereits vorhandenen durch Bäume begleiteten Bankreihen entlang der sozialistischen Hauptachse, sowie das Sitzangebot durch die Einfassungen der Pflanzflächen, werden weiterhin bestehen bleiben.

Zusätzlich wird eine breite Auswahl an neuen Sitzmöglichkeiten hinzugefügt, um weitere Aufenthaltsorte attraktiv zu gestalten. Neue Sitzmöglichkeiten werden vereinzelt entlang der Parkwege, so wie auf den Spielplatz gesetzt. Auf dem Kirchplatz werden große Holzplattformen einen weiteren Aufenthaltsraum kreieren. Der Platz vor dem Rathaus wird mit der oben erwähnten gemeinschaftlichen, roten Rundbank versehen. Zur „Spandauerstraße“ hin werden zwei zusätzliche dreieckige Sitzgelegenheiten installiert, die die existierenden eingefassten Pflanzenflächen in ihrer Dreiecksform wiederspiegeln und so die Reihe von dem Fernsehturm aus weiterführen. An dem Marx-Engels-Ensemble bietet eine große halbrunde Bank eine Betrachtungsebene des Denkmals. Die informelle Sitztribüne am Spreeufer bietet an sich schon Sitzgelegenheiten, welche durch das Hinzufügen von Holzbänke im oberen Bereich erweitert werden. Dies ermöglicht verschiedenen Altersgruppen einen angenehmen Aufenthalt im Schatten der Bäume. Schließlich werden unter der Baumallee auf der „Rathausstraße“ weitere Sitzreihen hinzugefügt.

Sicherheit und Orientierung im Dunklen werden durch Beleuchtungselemente gewehrleistet, wobei die Parkwege eine reine Orientierungsbeleuchtung erhalten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch vereinzelte klare Setzungen die Möblierung das Wesen und den Charakter der einzelnen Orte stärkt.

Es werden sich außerdem insgesamt drei Toilettenanlage innerhalb des Parks befinden. Eine wird nördlich der St. Marienkirche umgeben von Grün als rechtwinkliges Objekt stehen. Eine weitere Toilettenanlage wird um das Karl-Marx-Forum die bisher bestehende Toilettenanlage ergänzen und den runden Klinkerbau im Äußeren wiederspiegelt.

MATERIALISIERUNG

Die historische Zeitschicht wird durch Wege mit einer wassergebundenen Wegedecke neu strukturiert. Diese werden gleichsam einer Stadtstraße mit Kleinsteinpflaster eingefasst. Sämtliche Parkwege werden ebenfalls mit einer wassergebundenen Wegedecke belegt, welche allerdings eine andere Farblichkeit suchen. Die sozialistische Achse wird mit dem bestehenden Betonbelag weiterentwickelt. Der Rathausplatz wird, wie oben erwähnt, mit Klinker belegt. Die „Rathausstraße“, sowie die neu entstanden Gehwege werden entsprechend der Berliner Gehwegstruktur (große Steinplatten eingefasst von Mosaikpflaster) interpretiert. Das Denkmal-Ensemble wird in seiner ursprünglichen Materialisierung wiederhergestellt.

BEPFLANZUNG

Nördlich und südlich des gesamten Gebietes werden Lindenalleen angepflanzt, die entlang der Verkehrsmagistrale der „Rathausstraße“ und der „Karl-Liebknecht-Straße“ führen. Im südlichen Teil des Parks wird der Baumbestand mit Klimabäumen unter Berücksichtigungen der neuen klimatischen Bedingungen ergänzt. Für den Bau der Tribüne, so wie für neue Wegeüberlagerungen müssen 20 Bäume gefällt werden. Um eine mögliche Maximierung des Grünvolumens an diesem Ort zu erreichen, werden jedoch 62 neue, klimaresistente Bäume gepflanzt.

PHASIERUNG UND VERKEHR

Die Änderungen der verkehrlichen Situation auf der „Spandauerstraße“, der „Rathausstraße“ und der „Karl-Liebknecht-Straße“ ergeben sich aus der geplanten Phasierung des gesamten Gebietes. In dem ersten Phasenabschnitt 2024 wird die historische „Spandauerstraße“ durch temporäre Markierungen verschmälert und auf jeweils eine PKW-Fahrspur reduziert. Neue Fahrradwege wie auch neue Fahrradstellplätzte zwischen PKW-Fahrspur und Radspur werden ebenso erstmal auf den Belag aufgemalt. Die momentanen PKW-Parkplätze und Reisebushaltestellen werden vorerst auf die Rathausstraße verlegt. Abgesehen von diesen vorrübergehenden Veränderungen, bleibt die „Spandauerstraße“ bis 2024 unverändert. Auf der „Rathausstraße“ wird in der ersten Phase eine Lindenallee vorgeschlagen.

In dem zweiten Phasenabschnitt (2030) wird in Anlehnung an die Realisierung der neuen Straßenbahnschienen der gesamte motorisierte Individualverkehr auf der „Spandauerstraße“ herausgenommen. Die „Rathausstraße“ wird gänzlich fußläufig gemacht und erhält bis 2030 einen neuen Fahrradweg, sowie Straßenbahnschienen, die an die Schienen der Spandauerstraße anschließen. In dieser zweiten Phase werden außerdem vier temporäre Reisebushaltestellen auf die „Rathausstraße“ verlagert. Zwei weitere Haltestellen befinden sich auf der „Spandauerstraße“, welche auch nach Abschluss des letzten Phasenabschnittes (2040) bestehen bleiben. Schließlich, wird in dieser Phase auch die Möblierung erweitert, in dem auf der sozialistischen Hauptachse an der „Spandauerstraße“ die zwei zusätzlichen Dreiecks-Holzplattformen installiert werden. Diese Erweiterung wird den Fußgängerbereich erweitern und die „Spandauerstraße“ verschmälern.

In dem letzten Phasenabschnitt, der bis 2040 andauert, werden Fuß- und Fahrradwege auf der „Spandauerstraße“ erweitert. Außerdem wird in diesem letzten Abschnitt die „Karl-Liebknecht-Straße“ auf eine PKW-Fahrspur in jede Richtung reduziert und mit Fahrradwegen auf beiden Seiten, sowie mit einer Baumallee ausgestattet. Die Bushaltestellen auf der „Rathausstraße“ werden in diesem Phasenabschnitt entfernt, während vier neue Haltestellen permanent auf der „Karl-Liebknecht-Straße“ befestigt werden.

ENTWÄSSERUNG

Überall, wo möglich werden die Belagsflächen der kleineren Wege unmittelbar in die anliegenden Rasenflächen entwässert, während die breiteren Wege durch integrierte Versickerungsmulden entwässert werden. Alle übrigen Flächen werden über Unterflurrigolen entwässert, welche sich unter dem Fahrradweg der „Rathausstraße“, unter dem Vorplatz der St. Marienkirche, unter dem Rathausplatz und unter dem Karl-Marx-Forum befinden. Über diese Maßnahmen wird erreicht, dass ein Maximum an Oberflächenwasser entweder den Platzflächen zur Verfügung steht, zur stärkeren Verdunstung im Stadtraum beiträgt, oder die Grundwasserbildung verstärkt.