Aufgabenstellung

Das Wettbewerbsgebiet

Das insgesamt 18 ha große Wettbewerbsgebiet ist einer der bedeutendsten zentralen urbanen Freiräume Berlins. Die Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße begrenzen den Raum im Norden und Süden, den östlichen Abschluss bildet der Bahnhof Alexanderplatz, den westlichen die Spree. Geteilt wird die Gesamtfläche in Nord-Süd-Richtung durch die Spandauer Straße.

Das Wettbewerbsgebiet gliedert sich in drei Bearbeitungsbereiche. In Gänze rot eingefasst ist der Ideenteil der in der 1. Phase des Wettbewerbs als Vision 2040 und in der 2. Phase bis 2030 als Heranführung zu konkretisieren war. Blau umfasst die beiden Realisierungsbereiche, die es zeitnah zu gestalten gilt. Der Modernisierungsteil in hellblau wird nicht überplant und neugestaltet, sondern lediglich in Technik und Inventar angepasst werden können.

 

Der Realisierungsbereich gliedert sich in das Rathausforum und das Marx-Engels-Forum mit dem Spreeufer im Westen. Das Rathausforum wiederum teilt sich auf in die Teilräume des Umfeldes des Fernsehturms, der Grünfläche am Roten Rathaus, des Marienkirchumfeldes und des Platzes vor dem Rathaus.

Hintergrund

Notwendige Voraussetzung für den freiraumplanerischen Wettbewerb war eine politische Weichenstellung zum Umgang mit dem komplexen historischen Erbe. Zur Debatte standen radikal gegensätzliche Erwartungen an die städtebauliche Entwicklung, die von prominenten Initiativen mit unvereinbar erscheinenden Positionen verfochten wurden: Sollten allein das baukulturelle Erbe der DDR oder die Rekonstruktion verlorener städtebaulicher Strukturen von Alt-Berlin oder vorrangig visionäre Ideen für einen exemplarischen Metropolenraum des 21. Jahrhunderts leitbildbestimmend sein? Der Streit wurde so lange und so kontrovers ausgetragen, dass sich die Berliner Landespolitik entschloss, ein ergebnisoffenes partizipatives Verfahren zur Entscheidungsvorbereitung durchzuführen. Als Ergebnis liegen zehn ‚Bürgerleitlinien‘ vor, die einstimmig vom Abgeordnetenhaus als Planungsgrundlage beschlossen wurden.

Die Bürgerleitlinien beinhalten ein deutliches Votum, den Freiraum als einen Ort der Versammlung, der politischen Aktionen sowie der Lebensfreude und der Erholung für die diverse und kreative Stadtgesellschaft Berlins, unter den Bedingungen eines voranschreitenden Klimawandels zu qualifizieren. In vielen Partizipationsrunden war angesichts dieser Herausforderung der Optimismus spürbar, dass ein landschaftsarchitektonischer Wettbewerb eine überzeugende und perspektivisch auch konsensstiftende Lösung erbringen wird.

Vorbereitung des Wettbewerbs

Die Vorbereitung dieses Wettbewerbsverfahrens fußte auf den beschlossenen Bürgerleitlinien und band darüber hinaus eine breite Öffentlichkeit ein:

In der „Sondierungsphase“ wurden Fachgespräche mit Vertreter:innen der Fachverwaltungen und weiteren Expert:innen geführt, des Weiteren wurden eine Jugendbefragung sowie eine Onlinebeteiligung durchgeführt. Begleitet wurde der Prozess durch die öffentlichen Veranstaltungen „Projektwerkraum Stadtwerkstatt“ und zwei„Stadtlabore“.

Die komplexe Ausgangslage erforderte eine umfangreiche Beratung und Klärung der Aufgabenstellung mit den unterschiedlichen Protagonist:innen. In insgesamt 18 Einzelgesprächen und vier großen Fachrunden (Fachlabore) wurden mit Vertreter:innen der Verwaltung sowie mit Expert:innen und Initiativen die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs abgestimmt. Die Sondierungsgespräche und Fachlabore befassten sich mit den folgenden Haupt-Themenfeldern:

  • Nutzungen, Aufenthalt, Veranstaltungen und Gesundheit
  • Bewegen, Orientieren und Sicherheit
  • Verkehr
  • Resilienz
  • Identitäten: Alltag – Geschichte – Zukunft

Aufbauend auf den Beteiligungsergebnissen aus den Fachlaboren, dem Online-Mapping und der Jugendbeteiligung wurden „Stadtlabore“ durchgeführt. In drei Themengruppen sortiert, zielten sie darauf ab, die bisherigen Ergebnisse durch die öffentliche Meinung zu ergänzen und zu konkretisieren. Es wurden drei Stadtlabore entsprechend der zu behandelnden Themen ausgestaltet:

  • Nutzung, Aufenthalt und Orientierung, Sicherheit
  • Mobilität, Grün und Resilienz
  • Identität, Geschichte, politischer Ort.

Das dritte, letzte Stadtlabor, für März 2020 geplant, musste aufgrund der Sentasverordnung zur Vorbeugung der Pandemieausbreitung Covid 19 leider kurzfristig und ersatzlos ausfallen.

Aufgabenstellung

Die Gestaltung des Rathaus- und Marx-Engels-Forums ist sowohl von hoher lokaler, aber auch gesamtstädtischer und internationaler Bedeutung und fordert ein hohes Maß an atmosphärischer Prägung mit Bezug zu seiner gesellschaftspolitischen, geschichtlichen und städtebaulichen Dimension. Die Gestaltung soll diesen großen Erwartungen gerecht werden und durch eine hohe landschaftsarchitektonische Qualität den Freiraum zu einem identitätsstiftenden, aber auch repräsentativen Ort für die Berliner Mitte weiterentwickeln.

Das Rathaus- und Marx-Engels-Forum zeichnen sich durch ihre besondere Vielschichtigkeit aus. Ausgehend von den „10 Bürgerleitlinien“ soll mit der Neugestaltung ein Ort entstehen, der die vielfältigen Identitäten und Nutzungen im Bestand sowie die zu erwartenden zukünftigen Veränderungen integrieren kann. Es soll ein grüngeprägter resilienter Stadtraum entstehen, seine Potentiale für zukunftsfähige Mobilitätskonzepte waren aufzuzeigen. Gewünscht wird ein lebendiger Ort, der die unterschiedlichen Anforderungen, Nutzungen und Funktionen miteinander vereint.

Die Gestaltung/Realisierung der Freiräume wird in einzelnen Schritten und über einen langen Zeitraum erfolgen. Dynamik und Prozess spielen beim Entwurf eine entscheidende Rolle. Es wurden Konzepte gesucht, die eine klare Haltung formulieren und gleichzeitig viel Flexibilität in der prozesshaften Umsetzung gerade auch in Zusammenarbeit mit den Nutzer:innenn vor Ort erkennen lassen.

Aufgabe der 1. Phase war es, eine Vision 2040 für den Gesamtraum zu entwerfen, die eine gestalterische Haltung aufzeigt und sich zu den „10 Bürgerleitlinien für die Berliner Mitte“ positioniert. In der 2. Phase war die Umsetzung der eingereichten Vision als Gesamtraum wie auch in den Teilbereichen aufzuzeigen und das Konzept anhand der Vorgaben der Auslobung zu konkretisieren: Im Ideenteil sollte das Wettbewerbsgebiet in einem Zwischenzustand im Jahr 2030 dargestellt werden. Die Realisierungsteile waren in ihrer konkreten Umsetzung ab 2024 zu verdeutlichen. Der so genannte Modernisierungsbereich war im Zusammenhang mit der Neugestaltung bestandsorientiert anzupassen. Von besonderer Bedeutung war den auslobenden Verwaltungen, dass das Spreeufer, der Platz der Demokratie sowie die Verbindung über die Spandauer Straße verbessert werden.

Für die zu gestaltende Fläche in den Realisierungsbereichen von ca. 72.000 m² sind ca. 23 Mio. Euro für Planung und Realisierung des Wettbewerbsergebnisses eingeplant.

 

Weiter zu den Bürgerleitlinien für Berlin-Mitte